Am Freitag war bekannt geworden, dass die Niederlande weiter gegen den Beitritt Rumäniens zum Schengen-Raum stimmen würden. Kurz darauf begannen Beamte des Gesundheitsamts aus Bukarest an der rumänischen Grenze damit, niederländische Tulpen-Transporte zu kontrollieren. Insgesamt zwölf Lastwagen mit Tulpen und Saatgut wurden beschlagnahmt. Drei weitere wurden zum Lieferanten zurückgeschickt.

Die rumänischen Behörden teilten mit, allen beschlagnahmten Ladungen seien Proben entnommen worden, die auf "Bakterien" untersucht werden sollen. Um welche "Bakterien" es sich handelt und welche Gefahren drohen, sagten sie nicht.

Die Niederländischen Exporteure legten umgehend Beschwerde bei der rumänischen Botschaft in Den Haag ein. Die niederländische Botschaft in Bukarest wiederum appellierte an die Regierung, dass Rumänien "im Einklang mit dem EU-Gesetzesrahmen" agieren möge.

Niederländische EU-Abgeordnete sprechen von "Erpressung"

Niederländische Politiker sind verärgert – und vermuten politische Gründe hinter der "Tulpenblockade". Wie die österreichische Zeitung Der Standard schreibt, sieht es nach Ansicht niederländischer Europaabgeordneter "stark nach Erpressung aus". Die EU-Abgeordneten Wim van de Camp und Esther de Lange hätten deshalb Binnenmarktkommissar Michael Barnier aufgefordert einzuschreiten.

Eine offizielle Erklärung der rumänischen Regierung, ob die verschärften Kontrollen im Zusammenhang mit der Diskussion um dem Schengen-Beitritt stehen, gab es zunächst nicht. In der rumänischen Presse kursierten allerdings ironische Anspielungen. "Vorerst haben wir Holland aus dem Schengen-Raum der Tulpen ausgeschlossen", kommentierte die Bukarester Tageszeitung Adevarul

Die EU-Innenminister kommen am Donnerstag in Brüssel zusammen, um erneut über die Schengen-Erweiterung zu beraten. Die Niederlande sind ebenso wie Deutschland und Frankreich entschiedene Gegner eines baldigen Beitritts von Rumänien und Bulgarien in den grenzkontrollfreien Schengen-Raum. Als Grund wird angeführt, dass beide Länder ihre Probleme mit Korruption und organisiertem Verbrechen nicht im Griff haben.