Gibt es ein richtiges Leben im Falschen? Es ist der entspannt fahrstuhlartige Klang Mozartscher Klaviersonaten, der den Besucher im Mordecai-Sassoon-Gemeindezentrum von Kiryat Arba empfängt. Weißer Sandstein reflektiert das warme Sonnenlicht durch die Eingangshalle. An schweren Stoffbahnen vorbei huschen Chufit Mitrach und ihre Kollegen durch das 300 Plätze fassende Auditorium und planen die Eröffnungsfeier am kommenden Nachmittag. Die junge Israelin ist im vergangenen Jahr nach Kiryat Arba gezogen und arbeitet seitdem am Aufbau des neuen Kulturzentrums dieser 8.000 Einwohner zählenden jüdischen Siedlung außerhalb der Stadtgrenze Hebrons.
Ob sie eine Ironie darin erkennen könne, dass sie es ausgerechnet in der Woche einweihten, in der die palästinensische Führung ihren Unabhängigkeitsantrag bei den Vereinten Nationen einreichen möchte? "Wir sind keine politischen Menschen. Ich kam her, um in Ruhe meine Kinder großziehen zu können", wehrt sie beteuernd ab. "Wir wollen mit den Arabern in Frieden zusammenleben." Dass Kiryat Arba aber trotz aller Bekundungen unter den mehr als 120 Siedlungen in den besetzten Gebieten eine Sonderstellung einnimmt, zeigt sich nur wenige Schritte entfernt.
Dort ist Baruch Goldstein begraben, der Attentäter, der 1994 in Hebron 29 betende Muslime erschoss. Noch heute huldigt eine Gedenkplakette dieser Tat, wie sich auch ein Großteil der hier lebenden Siedler zu dem Spektrum rechnet, das Palästina – sie sprechen ausschließlich von Judäa und Samaria – aus religiös-nationalistischen Gründen wieder zur jüdischen Heimstätte machen möchte.
Von diesem Vorhaben, so sind sie überzeugt, kann sie auch kein palästinensischer Staat abbringen. In den wenigen Geschäften der blankgeputzten Reihenhaussiedlung gehen die Frauen der Siedlung wie gewohnt ihrem Tagwerk nach, während die meisten Männer in den Tora-Schulen des Ortes studieren. "Im Hinterkopf habe man immer die Gefahr eines arabischen Angriffs", berichtet Zwi, der einen kleinen Eisenwarenladen betreibt. Nur reden würde darüber niemand.
Siedlungen werden stark subventioniert
"Bis in die neunziger Jahre hinein hatten wir hier ein gutes Leben. Dann hat Rabin versucht, Frieden mit den Arabern zu schließen – die Quittung dafür hat er bekommen", sagt Zwi in Anspielung auf den früheren Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, der für die Unterzeichnung des Oslo-Abkommens mit Jassir Arafat 1994 den Friedensnobelpreis erhalten hatte und im Folgejahr von einem radikalen Israeli erschossen wurde. Bei den Siedlern ist die palästinensische Intifada der Neunziger noch immer als Oslo-Krieg bekannt.
Neuneinhalb Schekel kostet der Bus von Jerusalem nach Kiryat Arba. Eine Summe, für die ein Taxi in der Hauptstadt nicht einmal den Motor anlässt. Es ist nur eine der unzähligen Subventionen, mit denen die israelische Regierung die jüdischen Siedlungen im Westjordanland finanziell unterstützt. Die Aktivistengruppe Peace Now geht davon aus, dass jährlich mindestens zwei Milliarden Schekel, rund 400 Millionen Euro, aus dem Staatshaushalt in diese nach internationalem Recht illegalen Dörfer fließen. Und doch bestehen mit der arabischen Seite unzählige Kooperationen. Auch nach Kiryat Arba kommen täglich viele Palästinenser aus den umliegenden Dörfern – sie werden als günstige Arbeiter geschätzt und können so der grassierenden Arbeitslosigkeit in Hebron entkommen.
Gibt es ein richtiges Leben im Falschen? Es ist der entspannt fahrstuhlartige Klang Mozartscher Klaviersonaten, der den Besucher im Mordecai-Sassoon-Gemeindezentrum von Kiryat Arba empfängt. Weißer Sandstein reflektiert das warme Sonnenlicht durch die Eingangshalle. An schweren Stoffbahnen vorbei huschen Chufit Mitrach und ihre Kollegen durch das 300 Plätze fassende Auditorium und planen die Eröffnungsfeier am kommenden Nachmittag. Die junge Israelin ist im vergangenen Jahr nach Kiryat Arba gezogen und arbeitet seitdem am Aufbau des neuen Kulturzentrums dieser 8.000 Einwohner zählenden jüdischen Siedlung außerhalb der Stadtgrenze Hebrons.