Teile der syrischen Protestbewegung haben bei Demonstrationen am Freitag ausländische Hilfe gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad eingefordert. Sollte das Regime weiterhin eine unabhängige Berichterstattung über die Proteste verhindern, wolle man die internationale Gemeinschaft bitten, eine Flugverbotszone für die syrische Luftwaffe durchzusetzen, sagte ein Sprecher der Protestbewegung. Außerdem könne man aus der Luft Panzer und Artilleriegeschütze der Armee bombardieren, die gegen Zivilisten eingesetzt würden.

Die Regimegegner, die seit Mitte März gegen Korruption, Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen protestieren, hatten anfangs erklärt, sie wollten die politische Führung ohne Waffen und ohne ausländische Hilfe stürzen. Teile der Opposition halten auch weiter an dieser Linie fest. "Wir sind immer noch gegen ausländische Einmischung und gegen eine Bewaffnung der Demonstranten", sagte ein Sprecher des sogenannten Koordinationskomitees der Revolution. Die Regimegegner wünschten sich nur mehr politische Unterstützung aus dem Ausland, sagte der Sprecher.

Russland warnt vor Terroristen in der syrischen Opposition

Der russische Präsident Dmitrij Medwedjew hat stattdessen vor einer Machtergreifung durch "Terroristen" in den Reihen der Opposition gewarnt. "Unter den Regierungsgegnern sind nicht nur Anhänger der Demokratie, (...) sondern auch Extremisten und sogar einige Terroristen", sagte Medwedjew in einem Interview mit dem TV-Sender Euronews. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, nicht nur auf die Führung in Syrien, sondern auch auf die Opposition Druck für einen Gewaltverzicht auszuüben.

Syrische Oppositionelle kritisierten unterdessen bei Gesprächen mit der Kreml-Administration in Moskau das Nein der Veto-Macht Russland zu UN-Sanktionen gegen Damaskus. "Bereits in Libyen und im Irak hat Russland die neuen Führungen zu spät anerkannt. Diesen Fehler sollte Moskau in Syrien nicht wiederholen." Das sagte der Chef der Nationalen Organisation für Menschenrechte, Ammar Kurabi.

Er sehe keine Chance mehr für einen Dialog mit dem Regime von Präsident Baschar al-Assad, sagte Kurabi. "Die Führung reagiert auf unser Gesprächsangebot ausschließlich mit Blutvergießen und Gewalt." Der Kreml-Sonderbeauftragte Michail Margelow wies nach einem Treffen mit Kurabi Sanktionen erneut zurück. Russland werde eine Delegation nach Damaskus entsenden, um die Lage zu sondieren, kündigte er an. An diesem Montag wird in Moskau die syrische Präsidentenberaterin Buthaina Schaaban erwartet.

In Syrien wird erneut auf Demonstranten geschossen

Am Freitag hatten Tausende Regimegegner unter dem Motto "Freitag des internationalen Schutzes" in mehreren syrischen Städten demonstriert. Syrische Menschenrechtler berichteten, in Deir as-Saur, Homs, Hama und in der Provinz Idlib sei erneut auf Demonstranten geschossen worden. Auch einen Tag zuvor waren nach Angaben der Aktivisten bei Demonstrationen sieben Menschen getötet worden. Einige von ihnen sollen in der Haft zu Tode gefoltert worden sein.

Am vergangenen Mittwoch hatten syrische Sicherheitskräfte 18 Verwundete aus dem Al-Barr-Krankenhaus in Homs verschleppen lassen, berichtete die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Fünf der Betroffenen seien direkt aus dem Operationssaal geholt worden.

Seit Mitte März demonstrieren in Syrien fast täglich Oppositionelle gegen Staatschef Assad. Durch brutale Gegengewalt des Regimes starben nach UN-Angaben bisher rund 3.000 Menschen – die meisten von ihnen sind Zivilisten. Wegen der anhaltenden Gewalt sind bisher 3.000 Syrer in das Nachbarland Libanon geflüchtet. Die inoffizielle Zahl liege aber deutlich höher. Viele Flüchtlinge ließen sich nicht registrieren, weil sie Verfolgung durch das Regime des syrischen Präsidenten fürchteten.