Dänemarks Arbeiterführerin mit Hang zum Luxus

Wie eine geborene Arbeiterführerin sieht Helle Thorning-Schmidt eher nicht aus. Ganz im Gegenteil: Spötter nannten die elegante, hochgewachsene Politikerin mit den blauen Augen wegen ihrer Vorliebe für teure Kleider und Handtaschen "Gucci-Helle", sie lebt in einem der schicksten Viertel der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Ihr haftet der Ruf an, abgehoben und volksfern zu sein.

Das alles aber zählt nicht mehr. Die Chefin der dänischen Sozialdemokraten hat ihr Mitte-Links-Bündnis zum Wahlsieg über die liberal-konservative Koalition geführt, die nach zehn Jahren die Macht abgeben muss. Jetzt dürfte sie die erste Regierungschefin ihres Landes werden.

Ihr Hang zum Luxus hat es Thorning-Schmidt nicht leicht gemacht, von den Anhängern der traditionsreichen sozialdemokratischen Partei akzeptiert zu werden. Anstalten, ihr Auftreten zu verändern, machte sie trotzdem nicht. Als ein Parteiaktivist sie einmal bei einer Versammlung fragte, wie man denn den Arbeitern nahestehen und gleichzeitig Gucci-Kleider tragen könne, erwiderte sie trocken: "Wir können uns ja nicht alle lausig anziehen."

Heilerin einer gespaltenen Partei

Respekt verschaffte sie sich aber nicht in erster Linie mit ihrer Schlagfertigkeit, sondern weil sie eine Partei wieder einte, die das Wahldebakel des Jahres 2005 in tiefes Chaos gestürzt hatte. Damals hatten die Sozialdemokraten, zu dem Zeitpunkt bereits in der Opposition, ihr schlechtestes Wahlergebnis seit dreißig Jahren erzielt. Thorning-Schmidt, die von 1999 bis 2004 im Europaparlament gesessen und zuvor als Beraterin für die Gewerkschaft LO gearbeitet hatte, wurde Parteichefin.

Thorning-Schmidt sei es gelungen, die "Wunden" der Sozialdemokraten zu heilen und die Partei wieder zur Einheit zu führen, sagt der Politikwissenschaftler Rune Subager von der Universität Aarhus. Dabei sei ihr zu Gute gekommen, dass sie sowohl ihren Willen durchsetzen könne, als auch ein guter Teamspieler sei.

Schwierige Regierungsbildung

Vor allem aber gelang es der studierten Politikwissenschaftlerin, ein Mitte-Links-Bündnis aus Sozialdemokraten, Sozialliberalen, Sozialisten und den weit links stehenden Rot-Grünen zu schmieden, was bis dahin geradezu undenkbar gewesen war. Beobachter sehen das als den wahren Erfolg der 44-Jährigen – und nicht, dass sie künftig wohl als erste Frau die Regierung ihres Landes führen wird.

Bei den im Wahlkampf dominierenden Wirtschaftsthemen war Thorning-Schmidt immer weiter nach links gerückt. Sie hat sich hinter das großzügige Rentensystem gestellt, das die Regierungskoalition unter Lars Lökke Rasmussen reformieren wollte, und will die schwächelnde Wirtschaft mit neuen Staatsausgaben wieder antreiben, anstatt eisern zu sparen. "Wir werden nicht auf den Zug der harten Sparmaßnahmen aufspringen", verkündete sie im Wahlkampf und liebäugelte stattdessen mit einer Reichensteuer.

Wenig Veränderungen dürfte es dagegen in der Einwanderungspolitik geben. Zwar sprach sich Thorning-Schmidt für eine humanere Politik aus; sie hat aber angekündigt, an den meisten der in den vergangenen Jahren unter dem Druck der rechtspopulistischen Volkspartei verabschiedeten Einwanderungs- und Integrationsgesetze festhalten zu wollen.

Zunächst aber muss die Mutter zweier Töchter, die mit Stephen Kinnock verheiratet ist, dem Sohn des einstigen Vorsitzenden der britischen Labour-Partei Neil Kinnock, eine funktionsfähige Regierung bilden. Eine harte Aufgabe, die Wochen in Anspruch nehmen könnte. Thorning-Schmidt will keine Zeit verlieren. Noch am Freitag begann sie mit Sondierungsgesprächen.