Am Ende steht immer wieder dieselbe Frage: Wie kann es ein Rechtsstaat zulassen, dass ein Mensch hingerichtet wird, wenn auch nur der geringste Zweifel an seiner Schuld besteht?

Denn dass es Zweifel an der Schuld des wegen Mordes an einem weißen Polizisten zum Tode verurteilten und am Mittwochabend hingerichteten schwarzen Amerikaners Troy Davis gab, haben sogar Richter bestätigt. Im Supreme Court und in einem Bundesgericht. Immer wieder wurde die Exekution wegen der Zweifel, die sich nicht ausräumen ließen, aufgeschoben.

Im August 2009 ordnete der Supreme Court, Amerikas Oberstes Gericht, eine neue Anhörung durch einen Bundesrichter an. Etliche der Belastungszeugen hatten zuvor die Beschuldigung von Troy Davis widerrufen oder zumindest in wesentlichen Teilen korrigiert. Am Ende hatten sich sieben von neun Zeugen von ihrer ursprünglichen Aussage im Prozess von 1991 distanziert.

Zudem waren inzwischen neue Zeugen aufgetaucht, die behaupteten, ein anderer habe damals, im Jahre 1989, den weißen Polizisten erschossen, der nach Dienstschluss für einen privaten Sicherheitsdienst arbeitete und auf einem Parkplatz einem um Hilfe rufenden Obdachlosen beistehen wollte.

Dieser Schritt des Supreme Court war ungewöhnlich und im Gericht selber umstritten. Eine neue Anhörung war seit einem halben Jahrhundert nicht mehr angeordnet worden. Zudem sahen die Gesetze inzwischen nur noch eine sehr eingeschränkte Überprüfung von Todesurteilen vor. Etwa wenn gegen Grundsätze des fairen Verfahrens oder gegen Verfassungsrechte des Angeklagten verstoßen werden. Nicht aber unbedingt, wenn neue Beweise auftauchen.

Der Tod als ganz normale Strafe

Der Supreme Court jedoch öffnete dem in einer Todeszelle einsitzenden Troy Davis eine kleine Tür. Es sei jetzt an ihm (und seinen Anwälten), seine Unschuld "eindeutig darzulegen" – und zwar mit Beweismitteln, die dem Gericht im Hauptverfahren von 1991 noch nicht vorgelegen hätten.

Hier allerdings liegt zugleich der Kern des erschütternden Rechtsdramas, das die Gemüter in Europa aber auch in Amerika erregt. Troy Davis sollte seine Unschuld beweisen. Die erhebliche Erschütterung seiner angeblichen Schuld reichte nicht. Im Falle von Troy Davis waren die Zweifel nicht ausreichend, um das Urteil aufzuheben – oder es zumindest in eine lebenslange Freiheitsstrafe umzuwandeln.

Der tiefere Grund: Anders als in Deutschland, wo das Grundgesetz die Todesstrafe verbietet, ist diese ultimative Strafe in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht nur erlaubt, sondern ist sie in den Augen der Justiz (und der Volksmehrheit) eine ganz normale Strafe.

Natürlich ist sie die schwerste und darum auch vergleichsweise selten angewandte Sanktion. Denn schließlich ist eine Todesstrafe nach ihrer Vollstreckung unumkehrbar. Deshalb wurden auch viele Barrieren eingezogen und kann sich das Verfahren bis zur Hinrichtung über Jahrzehnte hinziehen.