Im Streit um den Angriff auf eine Hilfsflotte für den Gazastreifen hat die Türkei den israelischen Botschafter ausgewiesen. Zugleich seien alle militärischen Verträge mit Israel vorerst ausgesetzt, sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu. Zuvor war bekannt geworden, dass in dem erwarteten UN-Bericht zu dem Angriff auf die Hilfsflotte der israelische Einsatz als "exzessiv" und "unverhältnismäßig" kritisiert wurde. Gleichzeitig wurde die Blockade der Küste von Gaza als legitim bezeichnet.

Bei der Erstürmung des türkischen Schiffes Mavi Marmara durch israelische Sicherheitskräfte waren Ende Mai vergangenen Jahres neun türkische Aktivisten getötet worden. Das Schiff gehörte zu einer Flotte und transportierte Hilfsgüter und Spielsachen für die Palästinenser im besetzten Gazastreifen. Der Zwischenfall belastet die israelisch-türkischen Beziehungen bis heute sehr. Die Türkei fordert eine Entschuldigung. Die israelische Regierung lehnt das ab.

Aus israelischen Regierungskreisen hieß es, das Land wolle den UN-Bericht mit "punktuellen Vorbehalten" akzeptieren. Der Bericht zeige, "dass die Seeblockade und deren Durchsetzung mit internationalem Recht vereinbar war", sagte ein Regierungsvertreter.

Die New York Times hatte das 105 Seiten umfassende UN-Papier vor der offiziellen Veröffentlichung im Internet publik gemacht. Demnach gesteht der Bericht den israelischen Soldaten zu, sie hätten sich angesichts des "organisierten und gewalttätigen Widerstandes einer Gruppe von Passagieren" verteidigen dürfen. Aber der Verlust an Menschenleben sei inakzeptabel.

Der UN-Bericht rät Israel gleichwohl, Entschädigungen zu zahlen und den Verlust an Menschenleben als bedauerlich zu bezeichnen. Entschädigungen hat Israel Medienberichten zufolge abgelehnt. Sein Bedauern hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu aber bereits geäußert.

Der New York Times zufolge ist die Türkei besonders unzufrieden mit der Schlussfolgerung des UN-Ausschusses, dass Israel nach internationalem Recht berechtigt war, die Flottille mit Kurs auf den Gaza-Streifen in internationalem Gewässer zu blockieren. Die im Gaza-Streifen regierende Hamas bezeichnete am Donnerstag den Bericht als "ungerecht" und "unausgeglichen".

Der Bericht soll vermutlich heute von den Vereinten Nationen veröffentlicht werden, berichtet die Zeitung. Das Büro von UN-Generalsekretär Ban wollte dies auf Anfrage aber nicht bestätigen. Es sei noch nicht bekannt, wann das Dokument vorgelegt werde, hieß es in New York.