Der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad hat bei seinem Auftritt vor der UN-Generalversammlung mit anti-israelischen und anti-amerikanischen Tiraden erneut für einen Eklat gesorgt. Er zog die Anschläge vom 11. September 2001 in Zweifel und nannte die Anschlagserie mit fast 3.000 Toten "mysteriös". Die USA, die er als "arrogante Macht" bezeichnete, überzögen all diejenigen mit Sanktionen und Krieg, die den Holocaust leugneten und die Anschläge des 11. September hinterfragten, sagte Ahmadineschad.

"Einige europäische Länder nutzen jetzt noch, nach sechs Jahrzehnten, den Holocaust als Ausrede, die Zionisten in Israel mit Geld zu versorgen", sagte er. Ahmadineschad machte die USA für Kriege und die Finanzkrise verantwortlich und forderte den Westen zu Entschädigungszahlungen wegen der Sklaverei auf.

Er polemisierte zudem gegen die Nato-Einsätze in Afghanistan und Libyen: "Sie schwächen Länder durch militärische Interventionen und zerstören ihre Infrastruktur, um ihre Ressourcen zu plündern und sie von sich abhängig zu machen," so Ahmadineschad. "Wirkliche Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und Glück sind das Recht aller Nationen. Das kann nicht von der Arroganz und den Gewehrläufen der Nato unterdrückt werden.“

Aus Protest gegen die Rede verließen zunächst die amerikanische und kurz darauf zahlreiche weitere westliche Delegationen den Saal der Vollversammlung. Unter ihnen war auch die deutsche Delegation. Ein Sprecher des Außenministeriums begründete dies mit Ahmadineschads "kruden Tiraden". Außenminister Guido Westerwelle (FDP) war zu der Rede gar nicht erst erschienen.

Vor einem Jahr hatte Ahmadineschad für einen ähnlichen Eklat gesorgt, als er behauptete, die Amerikaner hätten die Anschläge vom 11. September 2001 selbst inszeniert. Wiederholt hat der iranische Präsident zur Zerstörung Israels aufgerufen.

Ahmadineschad habe die Chance gehabt, das Streben seiner Landsleute nach "Freiheit und Würde" anzusprechen, sagte der Sprecher der US-Delegation, Mark Kornblau. "Aber stattdessen hat er sich erneut abstoßenden antisemitischen Verunglimpfungen und verachtenswerten Verschwörungstheorien zugewendet." Aus französischen Delegationskreisen hieß es, die Europäer hätten sich vorab auf das Verlassen des Saales verständigt, sobald Ahmadineschad den Holocaust erwähne. Während seiner Rede demonstrierten vor dem Gebäude Dutzende Exil-Iraner.