In Kambodscha ist der Maler und Überlebende des Foltergefängnisses der Roten Khmer, Vann Nath, gestorben. "Er ist tot, es ist ein großer Verlust für die Geschichte Kambodschas", sagte sein Schwiegersohn Lon Nara. Der 66-jährige Künstler habe im August einen Zusammenbruch erlitten und sei dann ins Koma gefallen, teilte seine Familie mit.

Vann Nath war auch ein wichtiger Unterstützer des UN-Sondertribunals für die Aufarbeitung der Verbrechen der Roten Khmer. Ein  Sprecher sagte, das Gericht sei traurig über seinen Tod. Er habe mit seinen Zeugenaussagen und seiner Arbeit im Museum von Tuol-Sleng den Opfern eine Stimme gegeben.

Vann Nath wurde am 7. Januar 1946 als Sohn eines Bauern im Norden von Kambodscha geboren. Statt zur Schule zu gehen, hatte er ab dem Alter von 14 Jahren in einer Fabrik gearbeitet. In den 1960er Jahren verbrachte er mehrere Jahre als buddhistischer Mönch. Im Jahr 1965 machte er in der Provinz Battambang eine Ausbildung zum Maler.

Vann Nath arbeitete auf einem Feld, als ein Kommando der Roten Khmer ihn im Dezember 1977 abholte. Der Anführer behauptete, Vann Nath habe gegen die Werte der Kommunistischen Partei verstoßen. Er wurde mitgenommen, mit Stromschlägen gefoltert und verhört. Im wurde unterstellt, für die CIA gearbeitet zu haben. Nach langer Qual unterschrieb Vann Nath ein Geständnis. Am nächsten Tag wurde er in das Foltergefängnis Toul-Sleng in Kambodscha gebracht.

Seine Bilder retteten dem Künstler das Leben

Die Ultrakommunisten hatten die Macht 1975 übernommen und wollten einen maoistischen Bauernstaat verwirklichen. Weil das nicht reibungslos klappte, wurde das Regime im Laufe der Zeit immer paranoider und verdächtigte Zehntausende Menschen als Spione feindlicher Mächte. In dem Gefängnis waren mindestens 14.000 Männer, Frauen und Kinder gefoltert und anschließend ermordet worden.  Insgesamt starben während der Schreckensherrschaft (1975-1979) fast zwei Millionen Menschen.

Als einer von nur sieben Häftlingen hatte Vann Nath das Foltergefängnis überlebt, weil er Porträts von Diktator Pol Pot anfertigte. Seine Bilder schmückten die Wände von Parteibüros und Versammlungshallen. Für seine Arbeit erhielt er eine Einzelzelle, regelmäßige Mahlzeiten und bessere Kleidung.

Kronzeuge im Prozess wegen Völkermord

Bisher wurde nur eine Person zur Rechenschaft gezogen: Kaing Guek Eav, besser bekannt als Duch. 2009 war Vann Nath einer der Kronzeugen gegen den wegen Völkermords angeklagten Chef des Gefängnisses. Duch hatte 35 Jahre Haft erhalten. Die Strafe wurde wegen früherer Verfahrensfehler und geleisteter Untersuchungshaft auf 19 Jahre reduziert.

Anklage und Verteidigung hatten Berufung eingelegt. Eine Entscheidung dazu steht noch aus.

Nach Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer engagierte sich Vann Nath als Opfervertreter und verarbeitete seine Erlebnisse in gnadenlosen Bildern und einer Autobiographie. Das Foltergefängnis Tuol-Sleng ist heute ein Museum, in dem auch Vann Naths Werke ausgestellt sind. "Wir müssen die Erinnerung an unsere Geschichte wach halten", sagte der Künstler immer wieder. "Nur auf diese Weise können wir verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht."