Kämpfer des libyschen Übergangsrates haben nach eigenen Angaben die Wüstenstadt Bani Walid eingenommen. "Die Stadt wurde vollständig befreit", sagte Seif al-Lassi, ein Kommandeur der Rebellen. Der Sender Al Jazeera berichtete, dass die neuen Machthaber 95 Prozent des Stadtgebiets unter ihrer Kontrolle hätten. Nach drei Tagen erbitterter Kämpfe würden Gadhafi-Getreue nur noch vereinzelt Widerstand leisten.

Nach Angaben des Übergangsrates wurden bei dem entscheidenden Angriff auf Bani Walid seit Sonntag zwei eigene Kämpfer getötet und 70 verletzt. Mindestens 20 Gadhafi-Anhänger seien festgenommen worden. Nach dem Bericht eines AFP-Reporters waren in der Stadt Rufe wie "Allah Akbar" ("Gott ist groß") zu hören. Die Rebellen hissten auf den Dächern mehrerer Gebäude die Flagge des Nationalen Übergangsrats.

Bani Walid wurde von Norden und von Süden her angegriffen. Die Kämpfer des Übergangsrats brachten den Flughafen in ihre Kontrolle. Zudem eroberten die Rebellen das Krankenhaus, das daraufhin vom Internationalen Roten Kreuz mit medizinischem Material versorgt wurde.

Am Sonntag hatten die Rebellen eine neue Offensive gegen die Stadt begonnen, nachdem sie eine Woche lang die Kämpfe unterbrochen hatten. Zuletzt gingen die Rebellen davon aus, dass die Stadt von etwa 1.500 Gadhafi-Anhängern kontrolliert werde.

Bani Walid liegt rund 170 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis. Sie war eine der letzten Bastionen von Anhängern des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadhafi. Noch immer umkämpft ist die Küstenstadt Sirte. Dort haben sich Anhänger Gadhafis in einigen wenigen Wohnblöcken verschanzt. Den Großteil der Stadt am Mittelmeer hatten die Milizen des Übergangsrates bereits vor einer Woche unter ihre Kontrolle gebracht.

Libysche Verwundete in Deutschland eingetroffen

Unterdessen trafen die ersten fünf schwer verletzten Opfer des Bürgerkriegs in Deutschland ein. Die Männer im Alter von 23 bis 30 Jahren seien Sonntagabend im Hamburger Asklepios Westklinikum angekommen und würden nun ärztlich versorgt, sagte der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Wolfgang Tigges. Weitere sieben Patienten werden im Lauf der Woche erwartet. Ein 50-köpfiges Team kümmert sich um die libyschen Männer.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte am vergangenen Donnerstag bei einem Besuch in Tripolis die Behandlung von bis zu 150 Verletzten in Deutschland angekündigt. Die fünf Patienten in Hamburg gehörten jedoch noch nicht dazu. "Die Anfrage ist von einer Hilfsorganisation an uns gerichtet worden, die beim libyschen Übergangsrat eingerichtet worden ist", sagte Tigges.

Das "Wounded Evacuation Team Libya" kümmere sich auch um die Übernahme der Kosten und die Versorgung von bis zu 500 weiteren Patienten, die nicht in Libyen selbst weiter behandelt werden können, sagte der Geschäftsführer des Krankenhauses, Marco Walker.