Nach mehr als vier Jahrzehnten hat die baskische Untergrundorganisation Eta das "definitive Ende ihrer bewaffneten Aktivitäten" bekannt gegeben. "Die Eta ruft die spanische und französische Regierung auf, einen direkten Dialog einzuleiten mit dem Ziel, die Konsequenzen des Konflikts anzugehen und so die bewaffnete Auseinandersetzung zu überwinden", schrieb die Organisation in einer in mehreren Sprachen veröffentlichten Erklärung auf der Website der baskischen Zeitung Gara.

Mit der angekündigten Aufgabe der Strategie der Gewalt folgte die Eta der Forderung einer internationalen Konferenz, die die Terroristen am Wochenende zu einer Niederlegung der Waffen aufgerufen hatte. An dem Treffen in der nordspanischen Küstenstadt San Sebastián hatte unter anderem der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan teilgenommen.

Die von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestufte Eta kämpft seit mehr als vier Jahrzehnten gewaltsam für die Unabhängigkeit des Baskenlandes in Nordspanien und Südfrankreich. Die letzte bewaffnete Untergrundbewegung Europas wird für den Tod von 829 Menschen verantwortlich gemacht. Seit 2009 hat sie kein Attentat verübt, im Januar erklärte sie einen unbefristeten Waffenstillstand. Die Eta sieht sich selbst als linke Befreiungsorganisation.

"Euskadi Ta Askatasuna" (Baskenland und Freiheit, Eta) wurde 1959 gegründet. Dem ersten Attentat 1968 folgten zahlreiche Anschläge in ganz Spanien. Die Eta spielte eine wichtige Rolle beim Kampf gegen die Franco-Diktatur (1939-1975). Im Jahr 1973 tötete die Organisation den spanischen Ministerpräsidenten Luis Carrero Blanco.

Auch nach dem Ende der Diktatur und der Rückkehr Spaniens zur Demokratie setzte die Organisation ihren bewaffneten Kampf fort. 1987 gab es bei einem Anschlag auf ein Kaufhaus in Barcelona mit 21 Toten die bisher meisten Todesopfer. Die Eta erklärte in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals eine "Waffenruhe" und führte Verhandlungen mit der spanischen Regierung, die aber stets scheiterten. Die Eta-nahe Separatistenpartei Batasuna wurde im März 2003 vom Obersten Gerichtshof verboten.