Bei den Vorwahlen über den Präsidentschaftskandidaten der französischen Sozialisten kommt es am kommenden Sonntag zur Stichwahl zwischen François Hollande und Martine Aubry. Für Ex-Parteichef Hollande stimmten nach Auszählung von gut zwei Dritteln der Stimmen 38,8 Prozent der Wähler, für seine Nachfolgerin Aubry 30,6 Prozent, teilte die Partei mit.

Der 57-jährige Hollande warb noch am Sonntagabend um Unterstützung für die Stichwahl. Parteichefin Aubry sagte, mit den Vorwahlen hätten die Sozialisten einen "Vorgeschmack" auf ihr gutes Team für die Präsidentenwahl geliefert. Sie habe die Chance, als erste Frau in Frankreich Präsidentin zu werden.

Es ist das erste Mal in der Geschichte Frankreichs, dass eine Partei ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in Vorwahlen bestimmt. Nach Angaben der Partei gaben fast 2,5 Millionen Wähler ihre Stimme ab. Die Beteiligung habe die Hoffnungen der Sozialisten bei Weitem übertroffen, sagte Interims-Parteichef Harlem Désir, der wegen der Präsidentschaftskandidatur von Aubry vorübergehend an der Spitze der Partei steht. Es handele sich um ein "historisches Ereignis".

Die Sozialisten hatten auf mindestens eine Million Teilnehmer gehofft. An der Vorwahl teilnehmen konnten alle wahlberechtigten Franzosen, die sich zu den Werten der Sozialisten bekennen und mindestens einen Euro spendeten. Die Präsidentschaftswahl findet im kommenden Frühjahr statt. Meinungsumfragen zufolge hätten sowohl Hollande als auch Aubry gute Aussichten, Amtsinhaber Nicolas Sarkozy abzulösen.

Nur noch 24 Prozent der Franzosen vertrauen Sarkozy

Auf das konservativ-rechte Regierungslager übt der Erfolg der Vorwahlen Druck aus, selbst ein ähnliches Verfahren zu organisieren – zumal nach einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage nur noch 24 Prozent der Franzosen dem amtierenden Staatschef vertrauen. Sämtliche UMP-Spitzenpolitiker haben allerdings bislang betont, dass man erst bei den übernächsten Wahlen 2017 darüber nachdenken werde. Für 2012 sei Sarkozy der "natürliche Kandidat", heißt es.

Überraschend auf den dritten Platz bei der Vorwahl kam Arnaud Montebourg vom linken Parteiflügel mit 17,4 Prozent. Die sozialistische Präsidentschaftskandidatin bei der Wahl 2007, Ségolène Royal, landete laut den Teilergebnissen mit 6,8 Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem vierten Platz. Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl gab sie vorerst nicht ab.

Die konservative französische Tageszeitung Le Figaro kommentierte: "François Hollande hat keinen Grund zu großer Begeisterung, auch wenn er das Rennen der ersten Vorwahl-Runde gewonnen hat." Hollande wisse, dass er zu entgegenkommend sei. Mit ihm würde die Linke ihre Seele verlieren. "Den Sozialisten steht Streit bevor, der wieder einmal ihr gemeinsames Projekt in Frage stellt", urteilte die Zeitung.