Lionel Tivoli bezeichnet sich selbst als "extrem rechts". Aus Nationalstolz möchte der 23-Jährige gegen die "asozialen Finanzmärkte" demonstrieren. Der schmale Mann mit den kurzen Haaren ist Generalsekretär des jugendlichen Ablegers Jeunesse der rassistischen Front National (FN) in Südfrankreich. Für seine Organisation ist das Treffen der zwanzig mächtigsten Staatschefs der Welt am 3. und 4. November in Cannes eine ideale Bühne. Der braune Block wird mitmarschieren, wenn von Dienstag bis Freitag im benachbarten Nizza Zehntausende Globalisierungskritiker auf die Straße gehen.

Bislang konzentriert sich die französische Sicherheitspolizei allerdings auf die linksgerichteten, autonomen Demonstranten, die schon bei früheren G-20-Gipfeln aktiv waren. Die 164 Kilometer lange Grenze von Frankreich nach Italien wird abgeriegelt, um den berühmten "Schwarzen Block" an der Einreise zu hindern, wochenlang probten Spezialeinheiten an der Côte d'Azur mögliche Einsätze. Sie seilten sich an Felswänden der Küstenstraßen ab, umstellten öffentliche Gebäude und riegelten schon am Wochenende einige Straßen komplett ab.

In Cannes ist schon seit Montag die gesamte Innenstadt vom Bahnhof bis zur legendären Croisette nur noch mit Sicherheitscode zu betreten. "Wir werden alle Menschen zurückhalten, die die öffentliche Ordnung gefährden", sagte Jean Gazan, Chef der französischen Grenzpolizei.

In Südfrankreich traditionell stark

Die Front National aber wird man kaum aufhalten können – viele ihrer Anhänger wohnen ohnehin in Nizza, dem Veranstaltungsort der Gegendemonstrationen. In Südfrankreich ist die rechtsextreme Partei traditionell stark. Hier fanden sich in den 1960er Jahren nach dem Algerienkrieg viele national gesinnte Kolonialisten ein. Sie fanden in der FN eine neue politische Heimat. An der Côte d'Azur feiert die FN regelmäßig einige ihrer landesweit besten Ergebnisse – in luxuriösen Vierteln ebenso wie in ärmlichen Vororten. Auch Lionel Tivoli kam bei den französischen Regionalwahlen in die zweite Runde und verpasste mit 48 Prozent nur knapp einen Sieg in seinem Viertel.

Seitdem Marine Le Pen Anfang des Jahres ihren bärbeißigen Vater Jean-Marie Le Pen an der Parteispitze ersetzte, hat die Partei besonders viele junge Menschen angezogen. So wie Tivoli. Der Maschinenbauer hat nach seinem Studium in einer Vermittlungsfirma für Ingenieure gearbeitet und wurde wütend auf die "Leute aus dem Ausland, die sich für weniger Lohn anbiedern und uns kaputtmachen." Seinen Job hat er relativ schnell wieder verloren, als die Firmenleitung von seinem politischen Engagement erfuhr und um ihren Ruf fürchtete. Obwohl die FN in Umfragen auf bis zu 20 Prozent kommt, geben nur die wenigsten Franzosen ihre Sympathie für die rechtsnationale Partei preis.