Der Sohn des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gadhafi, Saif al-Islam, will sich offenbar dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag stellen. Das sagte ein militärischer Vertreter des libyschen Übergangsrates. Neben Saif al-Islam Gadhafi wolle sich auch der frühere Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi stellen, hieß es. Die Informationen über die Pläne der beiden ehemaligen Mitglieder des Gadhafi-Regimes stammen dem Übergangsrat zufolge von libyschen Geheimdienstmitarbeitern.

Saif al-Islam ist zurzeit auf der Flucht und wurde zuletzt in der Wüste an der Grenze zu Niger oder Algerien vermutet. Gegen ihn und Senussi besteht ein internationaler Haftbefehl. Ihnen werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworden.

Saif al-Islam war lange als Nachfolger Gadhafis aufgebaut worden. Er ist der letzte von sieben Söhnen Gadhafis, dessen Verbleib noch immer unklar ist. Zwei Söhne flohen nach Algerien, einer hält sich in Niger auf, zwei weitere starben während der Kämpfe zwischen Gadhafis Anhängern und den Truppen der Übergangsregierung. Motassim wurde vergangene Woche zusammen mit seinem Vater in der Nähe von Sirte getötet.

Gadhafis Familie will gegen die Nato klagen

Die noch verbleibende Familie Gadhafis will hingegen vor dem IStGH gegen die Nato klagen. Grund sei die Verwicklung des Militärbündnisses in den Tod Gadhafis, sagte der französische Anwalt der Familie, Marcel Ceccaldi. Der Angriff der Nato auf den Konvoi des fliehenden Gadhafi habe direkt zu dessen Tod geführt. Die "absichtliche Tötung" sei nach den Statuten des Strafgerichtshofs ein Kriegsverbrechen, hob der Anwalt hervor. Wann die Klage genau eingereicht werden soll, konnte der Anwalt noch nicht sagen.

Gadhafi war am vergangenen Donnerstag in seiner Geburtsstadt Sirte getötet worden. Er hatte versucht, aus der Stadt zu flüchten, doch der Konvoi war durch einen Nato-Angriff gestoppt worden. Die Nato hatte erklärt, sie habe den schwer bewaffneten Konvoi angegriffen, weil dieser sich mit hoher Geschwindigkeit und ohne Rücksicht seinen Weg durch die Vororte von Sirte gebahnt habe. Von der Anwesenheit des ehemaligen Machthabers habe die Nato zu diesem Zeitpunkt aber nichts gewusst. Gadhafi war danach festgenommen und getötet worden. Ob er bei Gefechten starb oder gezielt von Truppen der Übergangsregierung umgebracht wurde, ist weiter unklar.