Griechenland soll nach dem Willen von Regierungschef Giorgos Papandreou in einem Referendum über die Beschlüsse des Euro-Gipfels in Brüssel abstimmen. Die Volksabstimmung solle "bindend" sein, sagte Papandreou vor der Parlamentsfraktion seiner sozialistischen Pasok in Athen. Wenn das griechische Volk die neue Vereinbarung ablehne, "wird sie nicht verabschiedet". Gleichzeitig kündigte Papandreou eine Vertrauensfrage im Parlament an.

Beim Euro-Krisengipfel hatten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone am vergangenen Donnerstag einen massiven Schuldenschnitt sowie weitere Hilfen für Griechenland beschlossen. Der Schuldendeal ist jedoch an weitere harte Sparmaßnahmen geknüpft. Neben den massiven Protesten der Bevölkerung und dem Widerstand der Opposition sieht sich der Regierungschef auch wachsendem Widerstand innerhalb seiner eigenen Partei gegenüber.

In einer am Samstag veröffentlichten Umfrage hatten fast 60 Prozent der Griechen das neue Rettungspaket als negativ oder wahrscheinlich negativ bewertet. Es hat einen Umfang von 130 Milliarden Euro.

"Entscheidung zwischen Angst und Wut"

Nach Informationen der griechischen Tageszeitung To Vima soll das Referendum Anfang Januar abgehalten werden, wenn die Brüsseler Beschlüsse zur Umsetzung bereit sind und bevor diese zur Abstimmung im griechischen Parlament stehen. Um eine bindende Wirkung für das Parlament zu haben, müsse mindestens eine Beteiligung von 40 Prozent der Wahlberechtigten erzielt werden. Findet die Abstimmung nach der Entscheidung im Parlament statt, müssten sogar 50 Prozent teilnehmen.

In einer Stellungnahme der größten Opposiotnspartei Nea Dimokratia hieß es dazu: "Herr Papandreou ist rücksichtlos und gefährlich. Über den Verbleib Griechenlands in Europa wirft er eine Münze in die Luft." Parteisprecher Giannis Michelakis fügte hinzu, Papandreou sage dem griechischem Volk damit, wenn sie nicht für seine Politik stimmten, dann müssten sie eben die Euro-Zone verlassen. Er stelle die Bevölkerung vor eine "Entscheidung zwischen Angst und Wut".