Die Leiche des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gadhafi ist nach Angaben des Militärrates von Misrata obduziert worden. Ursprünglich sei das nicht vorgesehen gewesen, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. "Aber Tripolis hat uns darum gebeten und wir wollen die Dinge korrekt machen", fügte er hinzu.

Woran Gadhafi starb, ist offiziell noch nicht bekannt. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte einen Arzt mit den Worten, die Todesursache sei ziemlich eindeutig eine Schussverletzung. Ob er damit eine Kopfwunde an Gadhafis Leichnam meinte, ließ der Mediziner offen.

Derzeit ist die Leiche im Kühlraum eines Einkaufszentrums in Misrata öffentlich ausgestellt. Hunderte Menschen standen Schlange, um sie zu sehen. Augenzeugen schilderten, am Leichnam sei eine Kopfwunde. Ob diese von einer Schussverletzung stammt oder sogar die Todesursache ist, blieb offiziell bislang unklar.

Mitglieder der neuen libyschen Führung hatten unterschiedliche Meinungen über den Umgang mit der Leiche geäußert. Ein nicht näher genannter Vertreter des Militärrats sagte, dass sie nach dem Willen der neuen Führung nicht näher auf die Todesumstände untersucht werden solle. "Niemand wird den Körper öffnen", hieß es. Zwei weitere Verantwortliche in der Stadt bestätigten die Äußerung.

Der Chef der Übergangsregierung, Mahmud Jibril, hatte hingegen beteuert, dass er sich einer Autopsie nicht verschließe. Der britischen BBC sagte er, die Übergangsregierung sei zu einer vom UN-Menschenrechtskommissariat geforderten Untersuchung der Todesumstände bereit. Dazu könnten auch internationale Beobachter zugelassen werden.

Nach wie vor ist also unklar, wie Gadhafi ums Leben kam. Am Donnerstag war er zunächst in einem Wasserrohr unter einer Straße in der Nähe seiner Heimatstadt Sirte entdeckt und lebend gefangengenommen worden. Nach Darstellung des Übergangsrates starb Gadhafi später in einem Krankenwagen. Der Fahrer des Wagens bestritt jedoch hinterher, dass Gadhafi noch lebte, als er ihn abtransportierte. Vertreter der UN, der USA und anderer Länder verlangen daher eine Untersuchung der genauen Todesumstände.

Nach Plänen des Militärrats sollten die Leichen Gadhafis und seines Sohnes Mutassim ursprünglich an einem unbekannten Ort vergraben werden. Mittlerweile ist der Übergangsrat jedoch bereit, diese an die Großfamilie zu übergeben. Sie sollen nach islamischem Brauch in ihrer Heimatstadt Sirte bestattet werden.

In Libyen beginnt nun auch offiziell eine neue Ära. Nach dem Tod Gadhafis will das Land den "Tag seiner Befreiung" feiern. Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa al-Dschalil, will dazu eine Erklärung auf dem Hauptplatz in Bengasi abgeben. Nach der Feier soll binnen 30 Tagen eine provisorische Regierung gebildet werden.