Der Nationale Übergangsrat in Libyen hat eine Fortsetzung des Nato-Einsatzes bis zum Ende des Jahres gefordert. "Nachdem wir den Sieg errungen haben, hofft das libysche Volk, dass die Nato ihren Einsatz bis mindestens zum Ende des Jahres fortführt", sagte der Präsident des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil. Nähere Gründe nannte er nicht, nur dass eine Fortsetzung Libyen und seinen Nachbarländern zugute komme.

Die Nato verschob daraufhin die endgültige Entscheidung über das Ende ihres Militäreinsatzes in Libyen von Mittwoch auf Freitag. "Es scheint uns sinnvoll zu sein, noch etwas länger mit den Libyern und auch mit den Vereinten Nationen zu beraten", hieß es in Brüssel. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen stehe sowohl mit dem Vorsitzenden des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, als auch mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kontakt. Eine formelle Anfrage zur Fortsetzung des Einsatzes liege jedoch nicht vor, sagte eine Sprecherin.

Aus Diplomatenkreisen hieß es, die Nato vertage ihre Entscheidung auch deshalb, weil Russland zunächst Beratungen im UN-Sicherheitsrat zur Lage in Libyen verlange.

Ursprünglich hatten die Botschafter der 28 Nato-Staaten am vergangenen Freitag das Ende des Militäreinsatzes zum 31. Oktober beschlossen. Die Nato hatte seit Ende März Ziele in Libyen bombardiert, um nach eigener Darstellung die Bevölkerung zu schützen. Der Einsatz half den Rebellen bei ihrem Kampf gegen Truppen Gadhafis und führte schließlich zu dessen Sturz.

Kurz vor seiner Gefangennahme in der vergangenen Woche bombardierten französische Kampfflugzeuge seine Wagenkolonne. Der Machthaber wurde von libyschen Kämpfern gefangengenommen und kam kurze Zeit später unter ungeklärten Umständen zu Tode.