Die Truppen der neuen libyschen Führung haben weitere Fortschritte beim Kampf um die Hafenstadt Sirte erzielt. Das Ouagadougou-Zentrum sei zu hundert Prozent unter ihrer Kontrolle, sagte einer der Militärchefs des Nationalen Übergangsrats, Mohammed al-Fajad. Damit sei der Weg frei, die gesamte Stadt unter Kontrolle zu bringen. Der weitläufige Gebäudekomplex war ein wichtiges Ziel der Mitte September gestarteten Offensive.

Zuvor hatten die Kämpfer bereits die Universität von Sirte eingenommen. Die Kämpfe seien "schwierig" gewesen, überall hätten sich Heckenschützen der gegnerischen Seite versteckt gehalten, sagte ein Kommandeur des Nationalen Übergangsrats. Nachdem sie die Universität unter Kontrolle hatten, nahmen sie das Konferenzzentrum ein. Dort hatten sich Kämpfer des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadhafi verschanzt. Wie das Konferenzzentrum galt auch das Universitätsgelände als einer der wichtigsten Widerstandspunkte in Sirte.

Gadhafis Heimatstadt Sirte ist eine der letzten verbliebenen Hochburgen des langjährigen Machthabers. Der Übergangsrat sieht die Einnahme der Stadt als zentral an, um anschließend die Befreiung des ganzen Landes erklären zu können. Am Freitag hatten die Kämpfer der neuen Führung eine weitere groß angelegte Offensive auf Sirte gestartet. Seitdem wurden Ärzten zufolge 23 Kämpfer getötet und etwa 330 Menschen verletzt.

Verletzte sollen in Deutschland medizinisch behandelt werden

Nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes sind noch mehrere tausend Zivilisten in Sirte eingeschlossen. Im Krankenhaus Ibn Sina in unmittelbarer Nähe zum Ouagadougou-Zentrum seien aber nur wenige Ärzte verblieben. Zugleich nehme die Zahl der Verletzten weiter zu, warnte die Organisation.

Die Bundesregierung kündigte an, Opfer der Kämpfe bald in Deutschland medizinisch behandeln zu wollen. Ziel sei es, den Verwundeten "schnell und unbürokratisch dringend benötigte Hilfe zu leisten", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Ein deutsches Sanitäterteam hält sich mit Ärzten der Bundeswehr in der tunesischen Hauptstadt auf. In Abstimmung mit den tunesischen und libyschen Behörden werde geprüft, wie den Opfern geholfen werden könne.

Demnach wird der Transport von Verletzten nach Deutschland vorbereitet. "Wir arbeiten gemeinsam mit unseren libyschen Partnern mit Hochdruck daran, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass dies sehr schnell umgesetzt wird", sagte der Sprecher. Angaben zu genauen Abflugdaten machte er nicht. Deutschland sei derzeit der einzige EU-Staat, der libyschen Gewaltopfern Visa erteilt, sagte der Sprecher.

Wegen der anhaltenden Kämpfe und der Folgen des Konflikts kann die Behandlung der Verletzten vor Ort häufig nicht sichergestellt werden. Der libysche Verteidigungsminister Dschallal al-Digheili sagte jedoch während eines Besuchs seiner italienischen und britischen Kollegen Ignazio La Russa und Liam Fox in Libyen, das Ende des Krieges sei nah. Fox sicherte die weitere Unterstützung der Nato zu, solange Gadhafi-Kämpfer eine Gefahr für die Bevölkerung darstellten.