In der umkämpften Stadt Sirte wird die Lage für die Bevölkerung immer dramatischer. Rotkreuz-Helfer, die den westlichen Teil der Geburtsstadt von Muammar al-Gadhafi erreicht hatten, berichteten von einer "sehr schlechten" Lage der Zivilisten. Nicht nur die Milizen des gestürzten Machthabers machen den Menschen zu schaffen, es fehlt ihnen auch an Trinkwasser und Nahrungsmitteln.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) wies auf extreme Versorgungsprobleme in den Krankenhäusern der Stadt hin. Menschen würden sterben, weil Sauerstoff für die Beatmung fehle, berichtete der Sender BBC. Auch gebe es nicht genug Brennstoff zum Betrieb der Generatoren. "Die Ärzte fangen an zu operieren, und dann geht das Licht aus", sagte der Chef der Dialyse-Abteilung des Zentral-Krankenhauses. "Ich sah ein 14-jähriges Kind auf dem Operationstisch sterben, weil mitten im Eingriff der Strom ausfiel." Die privaten Apotheker hätten dem Krankenhaus ihre Medikamente gegeben – und die gingen jetzt zu Neige.

Ungeachtet dessen wurden die schweren Kämpfe zwischen Truppen des libyschen Übergangsrats und Anhänger des gestürzten Diktators fortgeführt. Nach einem Bericht des Nachrichtensenders Al Jazeera leisteten die im Stadtzentrum verschanzten Gadhafi-Milizen erbitterten Widerstand. Vor allem auf Dächern postierte Heckenschützen bereiteten den Truppen des Übergangsrates erhebliche Schwierigkeiten. Die Scharfschützen würden auch Zivilisten unter Beschuss nehmen, die aus der Kampfzone entkommen wollten. Eine flüchtende Frau schilderte, dass die Gadhafi-treuen Kämpfer die Menschen wochenlang vor der Flucht aus Sirte gewarnt hätten.



G36-Sturmgewehre kamen aus Ägypten

Derweil berichtete Spiegel Online, die Nato befürchte Anschläge mit Raketen, die aus den libyschen Militär-Depots verschwunden sind. In den vergangenen Wochen hatten Berichte über geplünderte Armeebestände wiederholt für Aufsehen gesorgt, bei denen bis zu 10.000 Boden-Luft-Raketen könnten gestohlen worden sein sollen.

Etwas mehr Klarheit gibt es hingegen über die Lieferwege von deutschen G36-Sturmgewehren, die im August von libyschen Rebellen in einer Gadhafi-Residenz gefunden worden waren. Zeitungsberichten zufolge sollen sie aus einer Ägypten-Lieferung stammen. Die Bundesregierung habe dem Hersteller Heckler & Koch 2003 Exportgenehmigungen für 608 Sturmgewehre und Munition erteilt, schreibt die Bild am Sonntag. Eine Sprecherin des Unternehmens habe das Geschäft bestätigt. Die Lieferung nach Ägypten sei legal erfolgt, sagte sie weiter. Wie die Waffen von dort weiter in die Gadhafi-Residenz in Tripolis gelangen konnten, ist allerdings weiter offen.

Unterdessen soll der in das afrikanische Nachbarland Niger geflohene Gadhafi-Sohn Al-Saadi versucht haben, mit den neuen libyschen Machthabern zu verhandeln. Die dem Übergangsrat nahe stehende Website Al-Manara meldete am Sonntag, der 38-Jährige habe über einen ehemaligen Geschäftspartner Kontakt zum lokalen Übergangsrat der Stadt Sintan aufgenommen. Die dortigen Verantwortlichen hätten es jedoch abgelehnt, mit ihm zu reden.