Bei ihrem Besuch in der Mongolei hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ein starkes deutsches Interesse an Geschäften mit der wachsenden Volkswirtschaft angemeldet. "Wir sind für die Mongolei ein vertrauenswürdiger Wirtschaftspartner, der sehr an einer nachhaltigen Entwicklung der mongolischen Volkswirtschaft interessiert ist", sagte Merkel in ihrer Rede vor dem Parlament in der Hauptstadt Ulan Bator. Die beiden Regierungschefs unterzeichneten ein Rohstoffpartner-Abkommen, die deutsche Bergbauindustrie schloss einen Milliarden-Vertrag zur Kohleförderung ab.

Vor Merkel war noch kein deutscher Kanzler in der Mongolei. Regierungschef Sukhbaatar Batbold nannte den Besuch historisch. Das Parlament berief eine Sondersitzung ein. Batbold sagte, die Kooperationen beider Länder würden auf eine neue Ebene gestellt: "Wir haben die Rohstoffe. Deutschland hat das Know-how." Deutschland sei der wichtigste Partner der Mongolei in Europa. Merkel sicherte Batbold Unterstützung zu für die Partnerschaft mit der Europäischen Union und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Die deutsche Industrie begrüßte das Rohstoffpartner-Abkommen, von dem sie sich Unterstützung in dem weltweit verschärften Wettbewerb um Metalle verspricht. "Deutschland muss sich strategische Allianzen auch im Bereich der Rohstoffe sichern, die in den kommenden Jahrzehnten knapp werden können", sagte ThyssenKrupp-Aufsichtsrat Ekkehard Schulz.

Deutschland verspricht Technologietransfer

Die ThyssenKrupp-Tochter Uhde versuche nun, auch bei der Kohle-Verflüssigung und Kohle-Vergasung in der Mongolei ins Geschäft zu kommen. Weil dies das Land unabhängiger von Ölimporten aus Russland machen könnte, wird diese Technik ausdrücklich in dem Abkommen als Feld der Zusammenarbeit genannt. Im Gegenzug für Rohstofflieferungen erklärt sich Deutschland zu einem Technologietransfer und Hilfen zur Ausbildung einheimischer Arbeitskräfte bereit.

Merkel forderte das Land auf, möglichst vielen Bürgern Erlöse aus seinen Bodenschätzen zukommen zu lassen und die Todesstrafe abzuschaffen. Die Mongolei mit knapp 2,8 Millionen Einwohnern gehört zu den zehn rohstoffreichsten Ländern der Welt. Trotz der Vorkommen wie Kohle und Gold leben viele Mongolen in Armut.

Die deutsch-mongolischen Wirtschaftsbeziehungen waren bisher vergleichsweise unbedeutend. Bei den Exporten ist die Mongolei weitgehend vom Nachbarland China abhängig, bei den Importen von Russland. Merkel sprach von "nicht einfachen Ausgangsbedingungen", die die Mongolei zwischen diesen beiden einzigen Nachbarländern habe.