Nach tagelangen Kämpfen zwischen Soldaten und Deserteuren hat die syrische Armee die Kontrolle über die Stadt Rastan in der Region Homs übernommen. Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad sprachen von einem "Massaker". Ihren Angaben zufolge hatten sich in Rastan zahlreiche Deserteure verschanzt, 130 Zivilisten und Aufständische seien bei den Kämpfen getötet worden.

Im Laufe des Sonntags verließen insgesamt rund 50 Panzer die 160 Kilometer nördlich von Damaskus gelegene 40.000-Einwohner-Stadt, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London mit. Zahlreiche Häuser seien zerstört worden, die humanitäre Lage sei "sehr schlecht".

Es lägen Informationen vor, wonach beim viertägigen Beschuss der Stadt durch die Armee Dutzende Zivilisten getötet und anschließend in den Gärten der Häuser begraben worden sein. Wegen der verhängten Medienblockade sind Informationen aus Syrien nur schwer zu überprüfen.

Am Samstag habe es bei der Niederschlagung der Protestbewegung gegen Präsident Assad sieben Tote gegeben, davon drei bei Kämpfen zwischen Soldaten und Deserteuren in Rastan, erklärte die Beobachtungsstelle. Die Armee war dort am Freitag mit rund 250 Panzern und Panzerfahrzeugen eingerückt. Die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete sieben getötete Soldaten und zahlreiche Verletzte.

Die Opposition organisiert sich

Unterdessen nimmt der sogenannte Nationalrat der syrischen Opposition weiter Gestalt an. Bei einem Treffen in Istanbul traten dem Gremium, das die Revolte gegen Assad koordinieren soll, weitere Regime-Gegner bei. Unter anderem schlossen sich die Muslimbruderschaft und der Höhere Syrische Revolutionsrat an.

Der Nationalrat soll zunächst von dem Sorbonne-Professor Burhan Ghalijun geleitet werden und die Protestbewegung auf internationaler Ebene vertreten. Ghaljun sagte am Sonntag in einer Ansprache, die von arabischen TV-Sendern übertragen wurde: "Uns geht es darum, eine gemeinsame Front zu bilden, um den Massakern, die täglich begangen werden, etwas entgegenzusetzen." Die syrischen Demonstranten benötigten den Schutz der internationalen Gemeinschaft.

Seit Mitte März gehen in Syrien fast täglich Gegner von Staatschef Assad auf die Straße. Bei der Niederschlagung der Proteste starben nach UN-Angaben mehr als 2.700 Menschen, die meisten von ihnen Zivilisten. Der UN-Sicherheitsrat konnte sich bislang nicht auf eine Resolution gegen die syrische Führung einigen.