Die USA haben ihre Zahlungen an die UN-Kulturorganisation Unesco vorerst gestoppt. Der im November anstehende US-Beitrag von 60 Millionen Dollar werde nicht gezahlt, sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland in Washington. Die Aufnahme der Palästinenser in die Unesco sei "voreilig" und untergrabe "unser gemeinsames Ziel eines umfassenden, gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten", sagte Nuland weiter.

Die USA hatten ebenso wie Israel vor der Abstimmung über die Aufnahme der Palästinenser als Unesco-Vollmitglied mit dem Zahlungsstopp gedroht. Laut US-Außenministerin Hillary Clinton ist es der US-Regierung gesetzlich verboten, Organisationen zu finanzieren, die die Palästinenser als Mitglied akzeptieren. Auch Israel kündigte an, man wolle die Zusammenarbeit mit der UN-Organisation nach der Entscheidung überdenken.

Die USA hatten bereits zwischen 1984 und 2003 die Unesco boykottiert, trugen zuletzt aber rund 22 Prozent des Budgets der Organisation. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Unesco-Mitglieder auf, praktische Lösungen zu finden, um die Finanzierung der Organisation zu sichern. Der Zweijahreshaushalt für 2010/2011 beträgt 653 Millionen US-Dollar (461 Millionen Euro). Zu den größten Beitragszahlern gehören neben den USA auch Japan und Deutschland.

Die Unesco-Generalversammlung hatte zuvor mit 107 Ja-Stimmen, 14 Nein-Stimmen und 52 Enthaltungen für die Aufnahme der Palästinenser als neues Vollmitglied der Organisation gestimmt. Deutschland votierte mit Nein, Frankreich befürwortete dagegen den Beitritt Palästinas.

Der UN-Sicherheitsrat berät derzeit über den Antrag der Palästinenser auf eine UN-Mitgliedschaft. Der Vorstoß hat aber praktisch keine Chance, weil die USA ihr Veto angekündigt haben. Aus Sicht der Vereinigten Staaten und Israels kann ein palästinensischer Staat auf dem Gebiet des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens erst am Ende von Friedensverhandlungen entstehen.