US-Präsident Barack Obama zieht zehn Jahre nach Beginn des Afghanistan-Krieges eine vorsichtig positive Bilanz des Kampf-Einsatzes. Die USA und ihre Bürger seien nun sicherer, schrieb der Präsident in einer Mitteilung. Nach der Tötung von Terroristenchef Osama bin Laden und vieler anderer Extremisten sei man dem Ziel "näher denn je, al-Qaida und ihr mörderisches Netzwerk zu schlagen".

Nach einem schwierigen Jahrzehnt beendeten die USA die laufenden Kriege verantwortlich und aus der Position der Stärke, erklärte der Präsident. Als Errungenschaften des Afghanistan-Einsatzes bezeichnete er, dass die Taliban aus ihren wichtigsten Hochburgen vertrieben worden seien und die afghanischen Sicherheitskräfte immer stärker würden.

Obama dankte den Streitkräften, die "mutig in Afghanistan dienen, um die Sicherheit unseres Landes zu gewährleisten" und erinnerte an die Opfer. Laut US-Verteidigungsministerium sind in Afghanistan rund 1.800 Amerikaner ums Leben gekommen. Weit über 14.000 Soldaten seien verletzt worden.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai sieht die Entwicklung weit weniger optimistisch als sein US-amerikanischer Kollege. Insbesondere die Sicherheitslage habe sich für die Afghanen nicht verbessert, sagte Karsai dem britischen Fernsehsender BBC. Er räumte dabei auch Versagen seiner eigenen Regierung ein.

“Wir waren sehr schlecht darin, Sicherheit für die Menschen in Afghanistan zu schaffen. Und das ist die größte Schwäche unserer Regierung und unserer internationalen Partner“, sagte Karsai. "Die Nato, die USA und unsere Nachbarn in Pakistan hätten sich schon viel früher, Anfang 2002/2003 auf die Zufluchtstätten (der Taliban) konzentrieren müssen."

Die Taliban glauben an "gottgewollten Sieg"

Zugleich beschuldigte Karsai ausländische Regierungen und Unternehmen, zu einem großen Teil für die Korruption im Land verantwortlich zu sein. Der 53-Jährige kündigte an, dass er 2014 nicht wieder bei der Präsidentenwahl antreten und einen Nachfolger suchen werde.

Auch die radikalislamischen Taliban äußerten sich zum zehnten Jahrestag des Krieges. Sie sagten den USA und ihren Verbündeten ein Scheitern in Afghanistan voraus. Den Taliban stehe ein "gottgewollter Sieg" bevor, hieß es in einer Mitteilung der Aufständischen. Eine Fortsetzung der Kampfhandlungen werde nur mit einer völligen Demütigung der US-geführten Truppen enden.

Nach ihrer Vertreibung im Jahr 2001 haben die Taliban in den vergangenen Jahren wieder an Stärke gewonnen. Die USA und ihre Nato-Verbündeten wollen die Sicherheitsverantwortung bis 2014 an die afghanische Armee übergeben. Ein militärischer Sieg über die Taliban bis zu diesem Zeitpunkt gilt allerdings als zweifelhaft.