Die USA sind besorgt über die Freilassung einiger palästinensischer Gefangener im Austausch für den israelischen Soldaten Gilad Schalit. Die Haltung der USA sei der israelischen Regierung übermittelt worden, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Mark Toner, am Dienstag in Washington. Details wollte er nicht nennen. Auf die Frage, ob die freigelassenen Häftlinge eine Gefahr darstellten oder die USA die Freilassung ablehnten, sagte er, die US-Regierung habe in beiden Bereichen Bedenken geäußert.

Israel hatte am Dienstag 477 palästinensische Gefangene im Austausch gegen den vor fünf Jahren entführten Schalit freigelassen. Weitere 550 palästinensische Häftlinge sollen folgen. Der Deal war zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas ausgehandelt worden, die von den USA als Terrororganisation eingestuft wird. Die Entscheidung zur Freilassung der Palästinenser sei eine "souveräne Entscheidung der israelischen Regierung", sagte Toner aber.

Derweil verließen am Dienstagabend elf freigelassene Palästinenser, darunter eine Frau, Ägypten in Richtung Türkei. Das Flugzeug mit den Ex-Häftlingen wurde nach Angaben eines Vertreters des türkischen Außenministeriums um 23.30 Uhr in Ankara erwartet. Wo die elf Palästinenser leben werden, hat die Türkei noch nicht mitgeteilt. Das Land hatte sich neben Katar und Ägypten bereit erklärt, einige der freigelassenen Palästinenser aufzunehmen.

Netanjahu warnt vor neuem Terror

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte die freigelassenen palästinensischen Häftlinge davor, sich an neuen Gewalttaten gegen Israelis zu beteiligen. "Wer zum Terror zurückkehrt, muss die Konsequenzen tragen", sagte der Regierungschef auf dem Luftwaffenstützpunkt Tel Nov. Netanjahu sprach während einer Begrüßungszeremonie für Schalit.

Der Exilchef der Hamas, Chalid Meschaal, wertete den Austausch am Dienstagabend in Kairo als Beispiel für "erfolgreiche Verhandlungen, die Netanjahu gezwungen haben, dem Austausch zuzustimmen, und die ihn vor der öffentlichen Meinung in Israel bloßgestellt haben". Er fügte hinzu, dass "der Feind nur unter Druck nachgibt".

Ismail Hanija, Anführer der im Gazastreifen herrschenden Hamas, sprach von einem "historischen Sieg". In Ramallah küsste Palästinenserpräsident Mahmud Abbas überschwänglich Ex-Häftlinge, die über einen provisorischen Übergang ins Westjordanland gekommen waren. Nach Jahren tiefer Feindschaft zur Hamas trat Abbas erstmals wieder gemeinsam mit einem Hamas-Führer auf.

Politiker weltweit äußerten nach der Freilassung des israelischen Soldaten Schalit Erleichterung. Bei Bundeskanzlerin Angela Merkel mischte sich in die Freude auch die Hoffnung auf baldige Fortschritte im Nahost-Friedensprozess. Nach 13 Monaten wollen sich Israel und die Palästinenser am 26. Oktober erstmals wieder zu indirekten Friedensgesprächen mit Hilfe eines Vermittlers treffen.