Bundeskanzlerin Angela Merkel will die deutschen Kontakte zu Vietnam verbessern. Bei ihrem ersten Besuch als Kanzlerin in dem sozialistischen Land unterzeichnete sie mit Ministerpräsident Nguyen Tan Dung mehrere Abkommen. Dazu zählen eine strategische Partnerschaft unter anderem zur Intensivierung der Handelsbeziehungen und der Zusammenarbeit in der Wissenschaft. Zudem geht es um die Zusage für bereits in Aussicht gestellte 467 Millionen Euro für Kredite und Projekte in der Entwicklungshilfe.

Insgesamt hat das von jahrzehntelangem Krieg geprägte Vietnam nach Merkels Angaben von der Bundesrepublik seit 1990 etwa 1,5 Milliarden Euro an Unterstützung mit Krediten und Projektfinanzierung bekommen. Deutschland ist Vietnams größter Handelspartner in Europa. Nach Angaben der vietnamesischen Nachrichtenagentur beliefen sich die Exporte nach Deutschland in den ersten sieben Monaten dieses Jahres auf 1,8 Milliarden Dollar, im Gegenzug importierte die südostasiatische Republik deutsche Güter im Wert von 1,1 Milliarden Dollar.

Dung sagte: "Ich sehe noch Potenzial zur Erhöhung des Handelsvolumens." Wichtig sei, günstige Bedingungen für die Unternehmen beider Länder zu schaffen. Deutsche Betriebe scheuen zum Teil wegen Vertrags- und Rechtsunsicherheiten ein Engagement. Merkel und Dung vereinbarten daher auch die Fortführung des Rechtsstaatsdialogs, der erstmals 2008 schriftlich festgehalten wurde.

Des Weiteren signalisierte Merkel, Vietnam in seinem Bestreben den Status der Marktwirtschaft zu erlangen, zu unterstützen. Sie pochte gleichzeitig aber auf mehr Presse- und Meinungsfreiheit sowie die Einhaltung von Menschenrechten. In Vietnam sitzen Kritiker der Regierung in Gefängnissen. Zudem besteht die Todesstrafe. "Die Weiterentwicklung der Menschenrechte ist von großer Bedeutung", sagte Merkel weiter. Dung erklärte, er sei überzeugt, dass sich die deutsch-vietnamesischen Beziehungen dynamisch, tief greifend und langfristig entwickelten. Zuletzt war Gerhard Schröder (SPD) 2004 als deutscher Kanzler in Vietnam.

Vietnam ist eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Südostasiens. Das Volkseinkommen ist zwischen Stadt und Land aber ungleich verteilt: Fast zwei Drittel der Menschen leben in ärmlichen Verhältnissen von der Landwirtschaft. Ökonomisches Zentrum ist Ho-Chi-Minh-Stadt, das frühere Saigon. Dort soll unter deutscher Federführung eine neue U-Bahnlinie entstehen. Merkel besucht die mit mehr als zehn Millionen Einwohnern größte Stadt Vietnams am Mittwoch.

Nach dem Besuch in Vietnam reist Merkel als erste Kanzlerin in die Mongolei, wo unter anderem der Handel mit Rohstoffen wichtiges Thema sein wird.