"Lieber Silvio, eine tolle Chance wegzufliegen!", so wirbt derzeit die Fluggesellschaft Ryanair auf ihrer italienischen Homepage. Die Werbung in Italien ist nur eine der Arenen, die längst von den Berlusconi-Gegnern kolonisiert sind. Straßen, Internet, Gerichte, Zeitungen und Fernseh-Shows sind seit Jahren Schauplatz politischer Aktionen, die – passend zu Berlusconis Komiker-Image – oft in Form von Satire daherkommen.

Die parlamentarische Opposition war im Gegensatz zu diesen schreienden Kampagnen schon immer relativ kleinlaut. Bevor das Abgeordnetenhaus am Dienstag über den Rechenschaftsbericht 2010 entschied, traf der Chef der Lega Nord, Umberto Bossi, auf den ehemaligen Premier Massimo D'Alema (PD): "Na", fragte Bossi, "was macht ihr heute?" "Die Aufgabe der Opposition ist, Euch nach Hause zu schicken", antwortete D'Alema und es klang, als hielte er es für nötig, daran zu erinnern.

Nur Berlusconis Privatleben konnte ihn in Bedrängnis bringen

Noch am Vortag hörte der Ministerpräsident Silvio Berlusconi dem Oppositionsführer Pierluigi Bersani kaum zu, als der ihn zum Rücktritt aufforderte. Bersanis Worte waren überfällig. Trotz Dutzender Gerichtsverfahren, unzähliger Skandale und einer offensichtlich vollständig eigennützigen Regierungsführung konnte Berlusconi bis vor wenigen Tagen unbehelligt von der Opposition weiter regieren.

Mehrmals kam die vierte Berlusconi-Regierung in den letzten drei Jahren ins Wanken. Doch nie spürte die Regierung politischen Druck von denen, die dafür qua Mandat zuständig gewesen wären. Stattdessen waren es eher vorpolitische Skandale wie die berüchtigten "Bunga-Bunga-Parties", die Berlusconi in Bedrängnis brachten. Oder parteiinterne Streits wie jenem, der zur Trennung von Ex-Außenminister Gianfranco Fini führte. Berlusconi, bilanziert Giovanni Di Lorenzo in der ZEIT , gab nicht wegen, sondern eher "trotz der kraftlosen und zerstrittenen Opposition" auf.

"Es gibt in den letzten Jahren in Italien keine Opposition", sagt der Philosoph Paolo Flores D'Arcais, Direktor der politischen Zeitschrift Micromega . In Umfragen verlören sowohl Berlusconis PDL als auch die größte Oppositionspartei PD ununterbrochen an Zustimmung. "Es ist ein Paradox!"

Wie kann es sein, dass die Opposition trotz Berlusconis Blamagen kein Ansehen gewann? D'Arcais führt zwei Gründe an. "Zum einen konnte sich bis jetzt die Opposition nicht als Alternative zu Berlusconis Lager präsentieren. Zum anderen waren die PD-Chefs vor allem damit beschäftigt, die Kritik in den eigenen Reihen auszuschalten."