Ägyptens Kulturminister ist aus Protest gegen den Militärrat zurückgetreten. Emad Abu Ghasi habe beim Obersten Militärrat seinen Rücktritt eingereicht, um gegen den "Umgang der Regierung mit den jüngsten Ereignissen auf dem Tahrir-Platz" in Kairo zu protestieren, berichtete die Nachrichtenagentur Mena. Er werde diese Entscheidung nicht wieder rückgängig machen, sagte Abu Ghasi. Mena zufolge reichte er sein Gesuch bereits am Sonntagabend ein.

Demonstranten und Sicherheitskräfte lieferten sich in Kairo am dritten Tag in Folge Straßenschlachten. Die Protestierenden besetzten den zentralen Tahrir-Platz, obwohl die Polizei mit Tränengas und Knüppeln gegen die Menge vorging. Offenbar brannte auch ein Gebäude in der Nähe des Platzes. Über einem sechsstöckigen Wohnhaus stieg schwarzer Rauch auf.

Es sind die schlimmsten Gewaltausbrüche seit dem Sturz des früheren Machthabers Hosni Mubarak Anfang des Jahres. Über die Opferzahlen werden unterschiedliche Angaben gemacht. Das Gesundheitsministerium sprach von mindestens 22 Menschen, die am Wochenende bei den Straßenschlachten ums Leben gekommen seien. Dagegen wurden Angaben aus Ärztekreisen zufolge seit Beginn der Protestaktion am Freitagabend 33 Menschen getötet.

Die Armee bestritt dagegen ein Eingreifen auf dem Tahrir-Platz. Die Soldaten hätten vielmehr das nahe gelegene Innenministerium geschützt, zu dem dann die Demonstranten geströmt seien. Wenn die Protestierer darum bäten, würden die Streitkräfte sie vor Schlägern in Schutz nehmen, sagte ein Sprecher.

Westerwelle fordert Ende der Gewalt

Montag kommender Woche beginnt in Ägypten die erste freie Wahl seit Jahrzehnten. Angesichts des erneuten Gewaltausbruchs fürchten Beobachter jedoch, dass die Abstimmung gestört wird. Zwar sind die Ägypter aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Allerdings bleibt die Macht bis zu den Präsidentenwahlen beim Militär. Ein neuer Präsident soll Ende 2012 oder Anfang 2013 gewählt werden. Die Demonstranten fordern einen sehr viel früheren Machtwechsel.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) rief derweil zu einem Ende der Gewalt auf und kritisierte die Führung des Landes. "Es handelt sich ganz erkennbar auch um Behinderungsversuche eines demokratischen Übergangsprozesses. Dagegen wenden wir uns", sagte Westerwelle. Alle Beteiligten seien aufgerufen, auf jede Form von Gewalt zu verzichten. Die Wahlen müssten in einem friedlichen Umfeld stattfinden, damit sie auch wirklich frei und fair abliefen, forderte Westerwelle. Die Bundesrepublik wolle Ägypten auf dem Weg in Richtung Demokratie unterstützen.

Das Militär hatte nach der Entmachtung Mubaraks im Februar die Macht übernommen. Die Demonstranten werfen dem Militärrat vor, er schütze die Revolution nicht, sondern nutze sie zum eigenen Interesse und Machterhalt aus.