Belgien zahlt einen immer höheren Preis für seine Staatskrise. Einen Tag nach dem schweren Rückschlag für die Regierungsbildung durch den Rücktritt des Vermittlers Elio Di Rupo zogen die Renditen der zehnjährigen belgischen Anleihen auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren an. Sie stiegen am Dienstag um 28 Basispunkte auf 5,1 Prozent.

"Die Anleger wollen solche Papiere einfach nicht mehr halten", sagte ein Händler. "Die Investoren sind verängstigt, sie bekommen keine Antworten. Bis es nichts Konkretes gibt, wird der Handel nervös bleiben."

Belgien strebt an, im kommenden Jahr sein Haushaltsdefizit gemessen an der Wirtschaftsleistung auf 2,8 Prozent zu reduzieren. Um dies zu erreichen, müssen 11,3 Milliarden Euro eingespart werden. Belgien hatte 2010 einen Schuldenstand von 98,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Währungskommissar kündigt blaue Briefe an

EU-Währungskommissar Olli Rehn teilte mit, an Belgien und vier weitere Staaten, die ihre Haushaltsziele für 2012 zu verfehlen drohen, "blaue Briefe" verschickt zu haben. "Ich erwarte, dass die Regierungen jetzt entsprechende Maßnahmen ergreifen", sagte Rehn. Der EU-Kommissar kündigte an, verstärkte Kontrollrechte über die nationalen Haushalte vorzuschlagen.

Der als Vermittler in der belgischen Krise eingesetzte Sozialist Di Rupo hatte am Montag König Albert gebeten, ihn von der Aufgabe zu entbinden. Zuvor hatten die sechs vorgesehenen Koalitionsparteien ihre Verhandlungen über den Haushalt 2012 eingestellt. König Albert erklärte, er werde zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob er Di Rupos Rücktritt annehme. Belgien hat seit der Wahl im Juni 2010 keine Regierung.