Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi will das hoch verschuldete Euro-Land Italien schnell eine Notregierung zur Bekämpfung der Krise bilden. Staatspräsident Giorgio Napolitano führte am Tag nach dem Rückzug des höchst umstrittenen Milliardärs ganztägige Gespräche über dessen Nachfolge. In Rom wurde erwartet, dass der frühere EU-Kommissar Mario Monti mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt wird. Napolitano hatte nach dem Zeitplan des Präsidentenamtes bis zum Sonntagabend die Vertreter der Parteien im Parlament zu sich gebeten.

Berlusconi war am Samstagabend wie angekündigt zurückgetreten, nachdem das Abgeordnetenhaus ein von der EU verlangtes Sparpaket gebilligt hatte. Ganz aus der Politik verabschieden will er sich aber offensichtlich nicht. "Ich wünsche mir, gemeinsam mit Euch den Weg an die Regierung wieder aufzunehmen", schrieb er in einem Brief an die kleine politische Formation Destra Nazionale. Der Chef seiner Partei Volk der Freiheit (PdL), Angelino Alfano, meinte, Berlusconi werde wohl den PdL-Vorsitz übernehmen.

In einem ebenfalls am Sonntag veröffentlichten Schreiben an die PdL äußerte der "Cavaliere" seinen Stolz über das, was seine Regierung in dreieinhalb Jahren mitten "in einer in der Geschichte beispiellosen internationalen Krise" geleistet habe. Er hatte zuvor schon "Verräter" aus den eigenen Reihen für sein Scheitern verantwortlich gemacht. Berlusconi musste abtreten, weil er keine Mehrheit im Parlament mehr hatte.

Es gebe nun einen "Wettlauf gegen die Zeit", schrieben italienische Medien. Rasch müsse eine neue Regierung vor allem aus Fachleuten gebildet werden, um die Phase der politischen Unsicherheit zu beenden. Eine Alternative zur Übergangsregierung wären Neuwahlen.

Napolitano könnte Monti noch am Sonntagabend mit der Aufgabe betrauen, eine "Technokraten-Regierung" zu führen. Er müsste vom Parlament in einem Vertrauensvotum bestätigt werden. Dem von der Opposition und vom Staatspräsidenten favorisierten Wirtschaftsexperten werden beste Chancen eingeräumt, vor allem weil inzwischen auch Berlusconis Partei prinzipiell Zustimmung gegeben hat.

Sollte Monti Chef einer Notregierung werden, erwartet ihn eine schwierige Aufgabe: Italien weist nach Griechenland den höchsten Schuldenstand gemessen an der Wirtschaftsleistung innerhalb der Euro-Zone auf.