Die Regierungskrise in Griechenland hält an – damit wächst auch die Sorge um die Zukunft der Euro-Zone. Nachdem Ministerpräsident Giorgos Papandreou in der Nacht zum Samstag eine Vertrauensabstimmung im Parlament überstand, will er nun mit einer Regierung der nationalen Einheit einen Staatsbankrott abwenden. Er wolle mit allen Parteien des Landes über die Bildung einer neuen Regierung sprechen, kündigte Papandreou an. Weitere Details nannte er nicht. Papandreou ließ auch offen, wer die neue Regierung führen könnte.

Die schnelle Bildung einer neuen Regierung ist für Griechenland außerordentlich wichtig. Solange das Land das neue Hilfsprogramm und die nötigen Gesetze nicht gebilligt hat, wird es kein Geld von den internationalen Geldgebern mehr bekommen und bald pleite sein. Schon im Dezember könnte es soweit sein. Mit der breiten Mehrheit einer Einheitsregierung wird es leichter sein, das umstrittene Gesetz durchs Parlament zu bekommen, hofft Papandreou.

Doch die größte Oppositionspartei sperrt sich, und ohne sie wird es keine Einheitsregierung geben. Die konservative Nea Dimokratia (ND) will keine große Koalition mit den Sozialisten. Stattdessen erneuerte ihr Vorsitzender Antonis Samaras seine Forderung nach Neuwahlen Anfang Dezember und verlangte abermals den Rücktritt Papandreous. "Herr Papandreou will keine Kooperation. Er soll zurücktreten. Er ist gefährlich für das Land", erklärte Samaras im griechischen Fernsehen.

Papandreou nennt mögliche Neuwahlen "Katastrophe"

Zwar hatte Samaras am Mittwoch erstmals zugesagt, dem internationalen Rettungspaket für das hochverschuldete Land zustimmen zu wollen. Als Voraussetzung dafür nannte er jedoch Papandreous Rücktritt und Neuwahlen.

Samaras betonte, er wolle eine Botschaft aussenden, die zur Beruhigung der Lage in Griechenland und im Ausland beitrage. Zugleich aber erklärte er, weiteren Sparmaßnahmen nicht zustimmen zu wollen, und warf Papandreou vor, die konservative Opposition in eine Falle locken zu wollen, um diese für den Rettungsplan zu gewinnen. 

Papandreou hatte Neuwahlen zum jetzigen Zeitpunkt kategorisch ausgeschlossen und erklärt, dies käme einer "Katastrophe" gleich, da in den kommenden Wochen wichtige Entscheidungen des Parlaments zum internationalen Rettungspaket für das hochverschuldete Land anstünden.

Konservative Parteifreunde in Europa forderten die ND zur überparteilichen Zusammenarbeit auf. Um die Kluft zwischen den beiden großen Parteien Griechenlands zu überbrücken, will Staatspräsident Karolos Papoulias nun am Sonntag mit Samaras sprechen. Papandreou hatte sich bereits am Samstag mit dem Staatspräsidenten getroffen.