Gegen Mittag soll in Athen die Zusammensetzung der neuen Regierung bekannt gegeben werden. Ministerpräsident Giorgos Papandreou werde Staatspräsident Karolos Papoulias seinen Nachfolger vorschlagen, teilte die noch amtierende Regierung mit. Über den Posten des neuen Regierungschefs war in der Nacht weiter verhandelt worden.

Nach Informationen der Online-Zeitung tovima.gr wollen die Sozialisten Parlamentspräsident Filippos Petsalnikos als neuen Regierungschef vorschlagen. Die Nachrichtenagentur Reuters nannte einen weiteren aussichtsreichen Kandidaten: Der Präsident des Europäischen Gerichtshofs, Vassilios Skouris, könnte nach Informationen aus Kreisen der regierenden Sozialisten Ministerpräsident werden. Finanzminister Evangelos Venizelos werde seinen Posten behalten.

Als Favorit für das Amt des Premiers hatte bisher der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, gegolten. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll sich aber Finanzminister Venizelos gegen dessen Nominierung ausgesprochen haben, weil er selbst die Finanzpolitik der künftigen Regierung bestimmen wolle. Auch Venizelos ist seit einer Woche als möglicher neuer Ministerpräsident im Gespräch.

Papademos hatte offenbar in den Verhandlungen gefordert, die volle Kontrolle über seine Regierung zu haben und nicht ein "ferngesteuerter" Ministerpräsident der großen Parteien des Landes, Pasok und Nea Dimokratia, zu werden. Zudem soll er mehr Zeit verlangt haben, um das Sparprogramm im vollen Umfang in die Tat umzusetzen. Papademos ist der Meinung, dass dies bis zum vorläufigen Datum der Neuwahl am 19. Februar nicht möglich ist.

"Die Papademos-Kandidatur ist auf Probleme gestoßen, die mit beiden Parteien zu tun haben", sagte ein namentlich nicht genannter Parteivertreter. In einigen griechischen Medien hieß es, Papademos habe Bedingungen genannt, die die Parteien nicht akzeptieren würden. In anderen Berichten hieß es, Venizelos leiste Widerstand, weil Papademos die Wirtschaftsmannschaft der Regierung verändern wolle.

Zur Verwirrung trugen Aussagen von Parteivertretern bei, wonach Oppositionschef Antonis Samaras in der Nea Dimokratia in die Kritik geraten sei. Abgeordnete seiner Partei werfen ihm demnach vor, nach seiner ursprünglichen Ablehnung von Sparvorhaben umgeschwenkt zu sein. Auch das könnte eine Annäherung an die Sozialisten behindern.

Samaras sieht "nationale Würde" in Gefahr

Samaras lehnte es am Dienstag ab, der Europäischen Union eine schriftliche Erklärung zu geben, dass die Reformpläne umgesetzt würden. Er habe wiederholt versichert, dass er die Entscheidungen zu den griechischen Spar- und Reformbemühungen für unverzichtbar halte, sagte Samaras. Er erlaube niemandem, an seinen Worten zu zweifeln. Es gehe um die "nationale Würde" Griechenlands.

EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte daraufhin, die EU bestehe auf der schriftlichen Versicherung der neuen Regierung und der Chefs der beiden großen Parteien, dass Griechenland den vereinbarten Spar- und Reformkurs einhalten werde.