Die künftige griechische Regierung soll den anderen Euro-Ländern schriftlich zusagen, dass sie den vereinbarten Spar- und Reformkurs fortsetzen will. Andernfalls wird die sechste Kredit-Tranche über acht Milliarden Euro nicht nach Athen überwiesen. Erst nach einer entsprechenden Erklärung durch die beiden großen Parteien Pasok und Nea Dimokratia würden die Euro-Länder das Geld freigeben, sagte Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker am Montagabend in Brüssel. Die Euro-Gruppe werde über die Auszahlung der Tranche in einer Telefonkonferenz noch vor Ende November entscheiden, kündigte Juncker nach dem Treffen der Finanzminister der Euro-Zone an. Griechenland braucht die neue Hilfe bis Mitte Dezember, um die Pleite abzuwenden.

Juncker kritisierte, dass die griechische Opposition die nötigen Sparmaßnahmen lange blockiert habe: "Es ist schrecklich schwer, deutschen, niederländischen, belgischen, österreichischen und luxemburgischen Bürgern zu erklären, dass wir Solidarität zeigen müssen, wenn in Griechenland selbst kein Wille da ist, einen nationalen Konsens zu schaffen. Erst jetzt habe sich die politische Klasse in Griechenland zur Zusammenarbeit entschieden. Dies hätte bereits vor Monaten geschehen müssen, sagte Juncker.

EU-Währungskommissar Olli Rehn forderte, Griechenland müsse verlorenes Vertrauen wieder aufbauen: "Ich bin nicht der Einzige, der glaubt, dass die Ankündigung des Referendums ein Bruch des Vertrauens der Vereinbarung vom 27. Oktober war." Die EU-Kommission habe deshalb ihre Forderung nach nationaler Einheit erneuert. Rehn wies den Vorwurf zurück, die Europäer wollten den griechischen Wählern vorschreiben, für welche Regierung sie sich entscheiden sollten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte: "Es darf nicht vom Ausgang der Wahl abhängig sein, dass die europäischen Verpflichtungen erfüllt werden."

Das griechische Kabinett trifft sich im Laufe des Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung. Möglicherweise wird Ministerpräsident Giorgos Papandreou dabei offiziell seinen Rücktritt verkünden. Derzeit verhandeln die Parteichefs in Athen darüber, wer sein Nachfolger werden soll. Am Montagabend verdichteten sich die Anzeichen, dass der ehemalige EZB-Vizepräsident Lucas Papademos mit der Bildung einer Übergangsregierung betraut wird. Eine Koalition der nationalen Einheit soll die Alleinregierung der Sozialisten ablösen. Für den 19. Februar ist eine Neuwahl des Parlaments geplant.

Ein neuer Name kursiert

Papademos reiste am Montag aus den USA nach Athen. Nach Informationen des staatlichen TV-Senders NET soll er seine Bereitschaft, die Übergangsregierung zu führen, an Bedingungen geknüpft haben: Er habe ein reines Kabinett aus Technokraten abgelehnt und eine längere Amtszeit für die neue Regierung gefordert. Griechische Medien spekulierten, Papademos' Kandidatur könnte gescheitert sein, weil er weitreichende Befugnisse gefordert habe. Als mögliche Alternative im Amt des Regierungschefs wurde daraufhin Panagiotis Roumeliotis gehandelt, bislang ständiger Vertreter Griechenlands beim Internationalen Währungsfonds.

Hauptaufgabe der neuen Regierung wird es sein, die am 27. Oktober auf dem Brüsseler EU-Gipfel beschlossenen Sparziele für Griechenland umzusetzen. Bis zum Jahresende soll außerdem das zweite Hilfspaket für Griechenland stehen, das einen 50-prozentigen Forderungsverzicht privater Gläubiger vorsieht. Griechenland soll darüber mit den Banken und Fonds verhandeln.