Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou ist mit einem Vertrauensvotum des Parlaments aus der nächtlichen Abstimmung herausgekommen. Er hat im Parlament nur eine hauchdünne Mehrheit von zwei Stimmen bei 300 Abgeordneten. Das reichte offensichtlich. 153 Abgeordnete votierten für den Ministerpräsidenten, 145 gegen ihn. Da zwei Abgeordnete fehlten, waren 298 anwesend. Stimmenthaltungen gab es nicht.

Schon am heutigen Samstag will Papandreou den Staatspräsidenten informieren, dass er bereit sei, mit den anderen Parteichefs Gespräche über die Bildung einer Regierung aufzunehmen. Ob er jedoch nur die Sondierungsgespräche führen oder auch der neuen Regierung vorstehen wird, blieb unklar. Der Finanzminister Evangelos Venizelos, der als möglicher Nachfolger Papandreous gilt, forderte die Bildung einer neuen Übergangsregierung bis zum kommenden Montag.

Papandreou: "Letzte Chance" Griechenlands

In seiner letzten Rede vor der Vertrauensabstimmung hatte Papandreou die Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND), ein möglicher Partner in einer Regierung der nationalen Einheit, kritisiert. Papandreou sagte, Griechenland zahle heute für die Fehler der Vergangenheit. Die Defizite des Landes seien auf die ND zurückzuführen, die sich jedoch im Kampf gegen die Schulden als völlig teilnahmslos erwiesen habe. Nun gehe es jedoch im Hinblick auf die Beschlüsse des EU-Gipfels um die "letzte Chance" für die Entwicklung des Landes. Diese Chance sollte sich Griechenland nicht verbauen.

Es sei Zeit, einen Neuanfang zu machen, sagte Papandreou weiter. "Und wenn ich dazu beitragen kann, dann tue ich es." Auch morgen müsse das Land regiert werden: "Deswegen brauche ich Ihre Stimme", hatte er sich an die Parlamentarier gewandt.

Für die Entwicklung der nächsten Tage gibt es mehrere mögliche Szenarien. So könnte Papandreou zunächst im Amt bleiben, wäre jedoch gezwungen, die Regierung der nationalen Einheit zu bilden. Viele Abgeordnete seiner Fraktion hatten ihr Ja bei der Abstimmung an diese Bedingung geknüpft.