Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak drängen Israels siebenköpfige Regierungsspitze seit Längerem, einen Angriffsplan auf Iran zu genehmigen. Doch noch immer scheint eine knappe Mehrheit in diesem Gremium dagegen zu sein. Außerdem setzte sich Barak am Sonntag in einem Interview mit der BBC von seiner eigenen ultimativen Angriffsforderung etwas ab: "Genügend lähmende Sanktionen" könnten die iranischen Atomambitionen stoppen, doch "keine Option sollte vom Tisch genommen werden".

Staatspräsident Schimon Peres, seines Zeichens Friedensnobelpreisträger, mahnte am Sonntag: "Viele Anführer von verschiedenen Staaten versprachen zu verhindern, dass der Iran nukleare Waffen erhält. Wir müssen nun von ihnen verlangen, diese Verpflichtungen einzuhalten." Ganz offensichtlich haben Netanjahu und sein ultranationalistischer Außenminister Avigdor Lieberman Peres als Israels einzigen international hoch angesehenen Staatsmann an die weltpolitische Front geschickt, um weitere Sanktionen gegen Iran einzuholen.

Nicht nur politische oder militärische Optionen

Wenn am Mittwoch der Iran-Report der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) tatsächlich feststellen wird, dass sich der Verdacht verdichtet, Iran strebe den Bau von Atombomben an, wird die internationale Gemeinschaft nicht umhinkommen, Teheran stärker in den Würgegriff zu nehmen. Gefordert sind aus israelischer Sicht dabei insbesondere die USA und die führenden EU-Staaten, also auch oder vor allem Deutschland. Israel wird nicht auf eine militärische Konfrontation setzen, wenn sofort schärfste Sanktionen gegen Iran verhängt werden.

Ihre militärischen Fähigkeiten zu einem Angriff hat Israels Armee in der vergangenen Woche mehrfach getestet. Demonstrativ getestet wurde der Abschuss eines ballistischen Geschosses mit großer Reichweite. Über Sardinien wurde im Verlauf eines Manövers das Auftanken von Bomberflugzeugen geübt. Schließlich wurde im Landeszentrum eine Luftschutzübung abgehalten, bei der man von einem Angriff mit unkonventionellen Waffen ausging.

Aber es gibt nicht nur politische oder militärische Optionen. So wurden in den vergangenen Monaten gleich mehrere führende iranische Atomexperten Opfer von Unfällen oder mutmaßlichen "Unfällen". Außerdem verzeichnete Iran etliche unerklärliche Störungen an seinen Rüstungsanlagen. Hinter all dem vermuten die Experten den israelischen Geheimdienst Mossad.