Die israelische Regierung hat angekündigt, rund 2.000 neue Wohnungen in den palästinensischen Gebieten zu bauen. Dabei handele es sich um ganz neue Bauprojekte, wie ein israelischer Regierungsvertreter mitteilte. 1.650 Wohnungen würden in Ost-Jerusalem gebaut, die übrigen in der Siedlung Maale Adumim und Efrat im Westjordanland. Die Maßnahmen seien als Sanktion für die Aufnahme der Palästinenser in die Unesco gedacht.

Außerdem habe die Regierung bis auf Weiteres Zahlungen an die Autonomiebehörde in Ramallah eingefroren. Dazu gehören Steuer- und Zollrückzahlungen an die Palästinenser in Millionenhöhe. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, ranghohen palästinensischen Vertretern ihre Sondergenehmigung zum Passieren der Grenze zu entziehen. Diese erlaubt ihnen bislang, sich relativ frei zwischen dem Westjordanland und Israel zu bewegen.

Die Palästinenserführung reagierte empört über die israelischen Entscheidungen. Der Siedlungsbau beschleunige die "Zerstörung des Friedensprozesses" und das Einfrieren der Zahlungen sei "Diebstahl am palästinensischen Volk", sagte ein Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Israel nehme die Entscheidung der Unesco nur als Vorwand. "Der Ausbau von Siedlungen hat nicht aufgehört, bevor die Unesco Palästina als Mitglied aufgenommen hat, und wird auch danach nicht aufhören", sagte der Sprecher.

Der stellvertretende Botschafter der Palästinenser bei den Vereinten Nationen in Genf, Imad Suhairi, kündigte an, den Beitritt zu weiteren UN-Organisationen vorzubereiten. Die Unesco-Generalversammlung hatte gegen den Widerstand der USA und Israels am Montag mit großer Mehrheit für die Aufnahme der Palästinenser als neues Vollmitglied der Organisation gestimmt. Die USA kritisierten die Entscheidung daraufhin als "verfrüht" und "kontraproduktiv" und setzten ihre Zahlungen an die Unesco aus. Später kündigte Kanada dasselbe an.

Israel hatte den Ostteil Jerusalems 1967 im Zuge des Sechs-Tage-Kriegs annektiert und betrachtet die Stadt als unteilbare Hauptstadt. Die internationale Gemeinschaft hingegen erkennt die Annexion nicht an. Die Palästinenser wiederum möchten den Ostteil der Stadt zur Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates machen.