Der Zuccari-Saal im Palazzo Giustiniani, der Repräsentanz des Senatspräsidenten, ist im politischen Jargon Italiens als "das Grab" bekannt. Im hohen Raum ohne Fenster geben sich seit Montag die Vorsitzenden aller politischen Kräfte die Klinke in die Hand. Im Nachbarraum nämlich finden die Beratungen mit dem designierten Regierungschef Mario Monti statt. Es geht darum, möglichst schnell eine neue Regierung zusammenzustellen.

Im "Grab" tritt nach und nach jeder Parteichef vor die Journalisten, die Monti für sein Regierungsprojekt zu gewinnen versucht. In fast all ihren Reden sind Wörter wie "Verantwortungsgefühl" und "Verpflichtung" zu hören.

Monti ist allerdings alles andere als zuversichtlich. Die Märkte scheinen seine Unruhe zu spüren. Von Montag auf Dienstag stiegen die Zinsen für italienische Staatsanleihen erneut.

"Die Wahrheit, die keiner aussprechen will, ist, dass es noch viele im Parlament gibt, die sich eine Wahl im Frühjahr wünschen", hatte am Montag Pier Ferdinando Casini, Chef der Christdemokraten, gesagt. Zusammen mit Gianfranco Fini, dem Anführer der Partei "Zukunft und Freiheit" (FLI), gilt Casini als einer der treusten Unterstützer der neuen Regierung. Möglicherweise um sich aufzumuntern, begann Monti seine Gesprächsrunde mit den zwei ehemaligen Berlusconi-Verbündeten.

"Die Gefahr", schrieb am Dienstag die Tageszeitung Repubblica , "ist, dass Monti eine Regierung zusammenstellt, nur um dann festzustellen, dass sie über keine Mehrheit verfügt." Tatsächlich weiß der Wirtschaftsprofessor sehr genau, dass die leichte Entspannung, die vor ein paar Tagen auf den Finanzmärkten zu spüren war, nur eine kurze Atempause war.

Deshalb hält Monti es für wichtig, seine Regierungszeit nicht von vornherein zu befristen. "Ich würde nie diese Aufgabe annehmen", sagte er, "wenn ich schon im Voraus wüsste, dass ich meine Arbeit nicht beenden könnte. Es geht in erster Linie darum, ein aussichtsreiches Regierungsprojekt zu gestalten."

Monti weiß aber auch, dass die Parteien, die sich bis vergangene Woche im Parlament gegenseitig bekämpften, nicht so plötzlich zusammenarbeiten können. In einer ersten Phase sollen die verschiedenen Gruppen deshalb lernen, wieder normal miteinander zu reden. "Es ist zwar nicht nötig, dass die Politiker der einen oder der anderen Partei an meiner Regierung teilnehmen. Es ist allerdings nötig, dass sie sie unterstützen", sagte Monti.