Japans Oberster Gerichtshof hat die Todesstrafe gegen ein führendes Mitglied der Endzeit-Sekte Aum Shinrikyo bestätigt. Damit wiesen die Richter den Einspruch der Verteidiger von Seiichi Endo zurück und erklärten die zuvor verhängte Todesstrafe gegen den 51-Jährigen für rechtskräftig. Der gelernte Veterinär und Virologe war schuldig befunden worden, unter anderem eine zentrale Rolle bei dem Sarin-Anschlag auf die Tokioter U-Bahn gespielt zu haben.

Mitglieder der Sekte hatten am Morgen des 20. März 1995 unter dem Regierungsviertel Kasumigaseki in mehreren Zügen mit Sarin gefüllte Plastiktüten aufgestochen und das tödliche Nervengas freigesetzt. Zwölf Menschen starben, mehr als 5.500 wurden verletzt. Mit dem Attentat wollte die Sekte eine geplante Polizei-Razzia gegen ihre Zentrale verhindern. Sektengründer Shoko Asahara war im Mai 1995 verhaftet worden und hatte während des gesamten Prozessverlaufs entweder geschwiegen oder Unverständliches vor sich her gemurmelt.

Asahara gilt als Drahtzieher des Sarin-Anschlages. Ein Gericht verurteilte ihn 2006 rechtskräftig zum Tode. Ihm waren auch mehrere Mordversuche mit insgesamt 27 Toten vorgeworfen worden.

Die Verteidigung von Endo will laut Medienberichten noch eine Korrektur des Schuldspruches beantragen, was mehrere Tage in Anspruch nehmen kann. Es wird jedoch erwartet, dass dieses Prozedere nichts an der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ändert. Endo wäre das 13. Mitglied der Sekte, das zum Tode verurteilt wird.

Opfer der Verbrechen, von denen noch heute viele unter den psychischen und physischen Folgen des Anschlags leiden, reagierten mit gemischten Gefühlen auf das Ende des Prozessmarathons. Kritiker fordern, dass weiter untersucht werden müsse, was zu den Vergehen der Endzeitsekte geführt habe und in welchem sozialen Kontext dies passierte.

Die Sekte nannte sich 2000 in Aleph um und steht weiter unter staatlicher Beobachtung. Laut japanischen Medienberichten rekrutiert sie in jüngster Zeit wieder neue Anhänger vor allem unter jungen Menschen.