Bei einer Kundgebung vor dem Gebäude des ägyptischen Kabinetts ist am Morgen in Kairo offenbar erneut ein Demonstrant getötet worden. Nach Angaben von Aktivisten wurde er während einer Sitzblockade von Fahrzeugen der Einsatzkräfte überrollt. Augenzeugen berichteten, die Situation sei eskaliert, als Protestierende Steine auf die Wagen warfen. 



Der Sitzstreik hatte bereits am Freitag begonnen und richtete sich gegen die Entscheidung des Militärrats, Kamal al-Gansuri zum neuen Ministerpräsidenten zu bestimmen. Al-Gansuri war schon unter Präsident Hosni Mubarak von 1996 bis 1999 Regierungschef gewesen. Der Sitz des Kabinetts ist weniger als 500 Meter vom Tahrir-Platz entfernt, wo am Morgen noch zahlreiche Demonstranten kampierten. Sie wollen, dass das Militär die Macht an eine zivile Interim-Regierung übergibt.


Bislang sind bei den seit einer Woche andauernden Protesten mindestens 41 Menschen getötet worden. Der langjährige Machthaber Hosni Mubarak war im Februar in einem Volksaufstand gestürzt worden. Seitdem führt der Militärrat das Land. Am Montag sollen die Parlamentswahlen beginnen, die sich über mehrere Wochen hinziehen.

Die EU-Außenministerin Catherine Ashton hat am Samstag ein sofortiges Ende der Gewalt gefordert. In dem Land müssten wieder Recht und Gesetz einkehren, sagte sie in Brüssel. Zudem müssten die Ausschreitungen der vergangenen Woche mit Dutzenden Toten auf Seite der Demonstranten von unabhängiger Seite untersucht werden. "Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden", erklärte Ashton.