Auf dem Tahrir-Platz in Kairo ist es nach den Zusammenstößen vom Wochenende erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die ägyptischen Einsatzkräfte setzten Tränengas gegen die Demonstranten ein. Diese hatten nach Angaben von Reportern mit Steinen geworfen und versucht, zum Innenministerium zu marschieren.

Bei den seit Freitagabend andauernden Protesten sind bisher mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Das meldeten ägyptische Medien unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Mehr als 400 Menschen sollen bei den Krawallen rund um den Tahrir-Platz verletzt worden sein. Auch in der Hafenstadt Alexandria war es zu Zusammenstößen gekommen.

Die Auseinandersetzungen hatten ihren Anfang in einer Demonstration gegen die Militärherrschaft und die Übergangsregierung genommen, die von islamistischen Parteien organisiert worden war. Die Islamisten hatten sich jedoch nach ihrer großen Protestkundgebung am Freitag zurückgezogen.

Zurück blieben am Abend vorwiegend junge Demonstranten, die eine schnellere Übergabe der Macht vom Militär an eine zivile Regierung fordern. Sie erklärten, sie wollten den Platz erst  räumen, wenn ihre Forderungen erfüllt seien.

Macht bis Präsidentenwahlen beim Militär

Das Militär hatte nach der Entmachtung Mubaraks im Februar die Macht übernommen. Nächste Woche wird in Ägypten ein neues Parlament gewählt, doch die Wahl soll sich bis zum Januar hinziehen. Ein Termin für die Präsidentschaftswahl steht noch nicht fest.

Angesichts des neuen Gewaltausbruchs fürchten Beobachter, dass die Abstimmung gestört wird. Zwar sind die Ägypter aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Allerdings bleibt die Macht bis zu den Präsidentenwahlen beim Militär. Ein neuer Präsident soll erst Ende 2012 oder Anfang 2013 gewählt werden. Die Demonstranten fordern einen sehr viel früheren Machtwechsel.

Die Demonstrationen der vergangenen Tage richteten sich insbesondere gegen Marschal Hussein Tantawi, den Chef des Obersten Militärrates. Tantawi war 20 Jahre lang Verteidigungsminister und einer der engsten Mitarbeiter Mubaraks.

Der Tahrir-Platz (Platz der Befreiung) ist der geschäftige Mittelpunkt der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Sein Name erinnert an die Befreiung vom ägyptischen König Fuad II. im Jahr 1953 durch Offiziere um den späteren Präsidenten Gamal Abdel Nasser. Bis zur Niederlage Nassers im Sechs-Tage-Krieg gegen Israel 1967 beherrschte ein Denkmal des Machthabers den Platz. In den Wochen der diesjährigen Proteste gegen Präsident  Mubarak war der Platz das Zentrum der Demokratiebewegung.