Um die Revolutionsbewegung bei den Ägyptern unbeliebt zu machen, tritt die Regierung regelmäßig vors Volk. Generalmajor Mohsen El-Fangary beschuldigte am Samstag in einer Talkshow die Demonstranten, dass sie das Rückgrat des Landes, nämlich die Armee, brechen wollen. Innenminister Mansour El-Eissawy bedankt sich im Staatsfernsehen bei seinen Polizisten für deren Selbstbeherrschung und bestreitet danach, dass die Polizei Waffen eingesetzt hätte.

Warum die Polizei gerade jetzt, eine Woche vor den Parlamentswahlen , so brutal gegen die Demonstranten vorgeht, gibt auf dem Tahrir–Platz Rätsel auf. Aufgrund der unsicheren Lage könnten die Wahlen abgesagt oder verschoben werden, das Militär sich damit noch länger an der Macht halten. Doch das sei nicht die Absicht, versichert die Regierung. Der erste Teil der Parlamentswahlen würde in einer Woche stattfinden.

Zur Wahl stehen dann auch die Parteien, die eng mit der Tahrir-Bewegung verbunden sind. Aus Solidarität haben sie jedoch seit Samstag ihre heiße Phase des Wahlkampfs abgesagt, viele von ihnen sind auf den Tahrir gekommen. Auch Rana Gaber, sie ist Mitglied der Freien Ägypten Partei. „Die Unruhen nutzen vor allem den alten Regimemitgliedern und den islamischen Kräften“, sagt sie. „Wenn wir nun vom Wahlkampf fernbleiben, können sie mehr Stimmen angeln.“

Die Wahl der Partei scheint auf dem Tahrir-Platz aber derzeit keine Rolle zu spielen. Vielen ist es sogar egal, ob die Parlamentswahlen stattfinden oder nicht. "Das Parlament hat ohnehin fast keinen Einfluss", sagt Ahmed. "Zuerst müssen wir die großen Spielregeln ändern, und die müssen wir uns hier auf dem Tahrir-Platz erkämpfen."