Die ersten Reaktionen auf das Vertrauensvotum für den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou sind geteilt ausgefallen. Die europäischen Sozialdemokraten lobten das Votum als "Sieg wirklicher politischer Führung". Papandreou habe "herausragenden Mut, Bescheidenheit und entschlossenes Handeln gezeigt", hieß es in einer Erklärung des Vorsitzenden der Europäischen Sozialistischen Partei (PES), Poul Nyrup Rasmussen.

"Wie immer" habe sich Papandreou "von den Interessen des griechischen Volkes leiten lassen", hieß es weiter. Dies stehe in starkem Gegensatz zum "kleinlichen Taktieren" des konservativen Oppositionsführers Antonis Samaras von der Partei Nea Dimokratia (ND). Rasmussen kritisierte gleichzeitig die internationale Politik: "Wir sollten auch nicht vergessen, dass zwei Jahre kurzfristigen Handelns der deutschen und französischen Politiker zu dieser Situation geführt haben."

Oppositionspartei: "Die Maske ist gefallen"

Der griechische Oppositionsführer Samaras war im Hinblick auf Papandreou anderer Meinung als Rasmussen: Er forderte vorgezogene Neuwahlen. "Die Maske ist gefallen", sagte Samaras. Papandreou habe die Vorschläge der Opposition zurückgewiesen und müsse die Verantwortung dafür tragen: "Wahlen sind jetzt die einzige Antwort." Samaras hatte Papandreou zuvor schon mehrmals zum Rücktritt aufgefordert und schloss eine Zusammenarbeit mit ihm auch nach der Abstimmung weiter aus.

Auch der Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Bundestagsfinanzausschuss, Hans Michelbach, kritisierte Papandreou indirekt. Das Vertrauen in die Verlässlichkeit Athens sei endgültig auf einem Nullpunkt angelangt, sagte Michelbach. Er forderte eine zügige Entscheidung über den künftigen Kurs des von der Pleite bedrohten Landes. Notfalls müsse Griechenland zum Verlassen der Euro-Zone gezwungen werden, sagte Michelbach weiter – auf keinen Fall dürften weitere Hilfen ohne zusätzliche Sicherheiten gewährt werden.

Papandreou selbst versucht unterdessen, den angekündigten Umbau der Regierung zu vollziehen. Am Vormittag traf er mit Staatspräsident Karolos Papoulias zusammen, um das weitere Vorgehen zu beraten. "Mein Ziel ist es, umgehend eine Regierung der Zusammenarbeit zu bilden", sagte Papandreou. Um vorgezogene Wahlen zu vermeiden, sei ein politischer Konsens im Land nötig, mahnte er. Die neue Regierung solle "alle Gesetze billigen, die die historischen Entscheidungen der EU vom 27. Oktober betreffen", sagte Papandreou bei Papoulias – hiervon hänge ab, ob Griechenland in der Euro-Zone bliebe. Auf dem Gipfel Ende Oktober hatten die Staats- und Regierungsschefs ein Paket zur Eindämmung der Krise beschlossen.

Erst in der Nacht zu Samstag hatte Papandreou die Vertrauensabstimmung im Parlament überstanden und angekündigt, am heutigen Samstag Gespräche mit der Opposition über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit beginnen zu wollen. Die schnelle Bildung einer neuen Regierung ist für Griechenland außerordentlich wichtig. Solange das Land das neue Hilfsprogramm und die nötigen Gesetze nicht gebilligt hat, wird es kein Geld von den internationalen Geldgebern bekommen und bald pleite sein.