Die Freie Armee Syriens hat die Bildung eines provisorischen Militärrates bekannt gegeben. Das Gremium habe den Sturz von Staatschef Baschar al-Assad sowie den Schutz der Zivilbevölkerung zum Ziel. Der Militärrat sei fortan die "höchste militärische Instanz Syriens" und werde die Umsetzung der Ziele der Freien Armee überwachen.

Seine Aufgabe sei auch, anarchistische Verhältnisse und Racheakte nach dem Sturz Assads zu verhindern, erklärte die bewaffnete Oppositionsgruppe. Die Freie Armee Syriens hatte sich im vergangenen Juli aus Deserteuren der syrischen Armee gebildet. Dem Militärrat dürfen keine Mitglieder einer Partei Assads angehören. Zudem solle ein Militärgericht sowie eine Militärpolizei eingerichtet werden, um Regierungsmitglieder, denen Verbrechen vorgeworfen werden, zur Verantwortung zu ziehen, hieß es. Dem Militärrat wird der desertierte Oberst Riad al-Assad vorsitzen.

Die Deserteure griffen Anfang der Woche sowohl eine Militärbasis des Geheimdienstes nahe der Hauptstadt Damaskus als auch einen Stützpunkt der Luftwaffe an, wie die oppositionellen örtlichen Koordinierungskomitees mitteilten. Ihren Angaben zufolge stand Rauch über dem Gelände des Geheimdienst-Lagers. Den in den Gebäuden gefangen gehaltenen Häftlingen gehe es gut, erklärten die Komitees, allerdings sei es bislang nicht gelungen, sie zu befreien. Angaben zu Todesopfern gab es zunächst nicht.

Angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien hat Frankreich seinen Botschafter aus Damaskus abgezogen und seine Konsulate in den Städten Aleppo und Latakia geschlossen. Sie waren am Wochenende von regierungstreuen Demonstranten angegriffen worden. Die "neue Gewalt" in Syrien habe ihn zu diesem Schritt gezwungen, sagte Frankreichs Außenminister Alain Juppé in Paris.

Angriffe auf Botschaften der arabischen Liga 

Anhänger des Assad-Regimes attackierten auch die Botschaften von Marokko, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und weiteren Ländern der Arabischen Liga. Die Demonstranten warfen Steine und beschimpften die Länder als "israelische Agenten".

Zeitgleich trafen die Außenminister der Arabischen Liga und der Türkei in der marokkanischen Hauptstadt Rabat zusammen, um über Sanktionen gegen Damaskus zu beraten. In einer gemeinsamen Erklärung sprachen sie sich gegen jede Form einer internationalen Intervention in Syrien aus, forderten jedoch Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung. Außerdem solle der am Wochenende beschlossene Ausschluss Syriens aus der Liga nun in Kraft treten.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu sagte vor Beginn des Treffens, die syrische Führung werde "für alles, was sie getan hat, hart bezahlen". Syriens einstiger Verbündeter hatte am Vortag beschlossen, die Zusammenarbeit mit Damaskus bei der Erdölförderung einzustellen und gedroht, Stromlieferungen nach Syrien einzustellen.

Libanesische Politiker prügeln sich wegen Syrien-Frage

In Syriens Nachbarland Libanon kam es unterdessen in einer Live-Talk-Show zur Lage in Syrien zu einem Handgemenge und wüsten Beschimpfungen zwischen zwei Politikern. Für das Land ist der Aufstand in Syrien eine Zerreißprobe. Denn die von der schiitischen Hisbollah-Bewegung dominierte Regierung steht zu Assads Regime. In der Arabischen Liga hatten nur der Libanon und der Jemen gegen einen Ausschluss Syriens gestimmt. Die Opposition würde einen Regimewechsel in Syrien begrüßen, auch weil Syrien ein Transitland für iranische Waffenlieferungen an die Hisbollah ist.

Die Gewalt gegen Zivilisten hält in Syrien derweil weiter an. Nach Angaben der in London ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben erneut mindestens 17 Menschen, darunter acht Militärangehörige. UN-Schätzungen zufolge starben seit Beginn der Proteste gegen die Regierung Mitte März mehr als 3.500 Menschen.