Die Arabische Liga erhöht den Druck auf die syrische Regierung: Wenn die nicht binnen drei Tagen die Angriffe auf Oppositionelle beende und sich zur Zusammenarbeit mit der Arabischen Liga bereit erkläre, werde die Liga einen Sanktionsbeschluss gegen die Regierung fällen, kündigte der Regierungschef von Katar Scheich Hamed bin Dschassem el Thani an.

In einer im marokkanischen Rabat veröffentlichten Erklärung lehnten die Außenminister der Arabischen Liga und der Türkei jede Form einer internationalen Intervention in Syrien ab. Sie verlangten aber den Schutz der Zivilbevölkerung. Seit Beginn der Proteste gegen die Regierung Baschar al-Assads sind UN-Schätzungen zufolge mehr als 3.500 Menschen durch Gewalt gestorben.

Syrien hatte keinen Vertreter zu dem Treffen in Rabat entsandt. Dies wurde in arabischen Ländern als Hinweis gewertet, dass das Assad-Regime keine Möglichkeit mehr sieht, sich noch mit den Arabern zu einigen. Auch Sanktionen der EU blieben bisher ohne erkennbare Wirkung.

Die Liga hatte schon vor Wochen ein Ultimatum gestellt. Sie formulierte jetzt laut dem Sender Al Arabiya auch ein Protokoll, in dem die Details für die Arbeit der Beobachter in Syrien festgelegt wurden. Sie sollten an 16 Brennpunkten im Land stationiert werden, hieß es.

Das Ultimatum gilt seit dem gestrigen Mittwoch. Am Wochenende hatte die Liga bereits die Mitgliedschaft Syriens ausgesetzt. Aufgebrachte Syrer attackierten daraufhin die Botschaften mehrerer arabischer Länder in Damaskus. Marokko und Frankreich zogen ihre Botschafter aus der Stadt ab. Frankreich schloss auch die Konsulate in den Städten Aleppo und Latakia, die am Wochenende von Regierungsanhängern angegriffen worden waren.

Währenddessen geht das Töten im Land weiter. Laut der in London ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben am Mittwoch mindestens 17 Menschen, darunter acht Militärangehörige. Armeedeserteure griffen eine Militärbasis des Geheimdienstes bei Damaskus an. Die im Sommer gegründete Freie Armee Syriens feuerte auch Panzerfäuste ab, wie die oppositionellen örtlichen Koordinierungskomitees mitteilten.

Die Freie Armee gab die Gründung eines provisorischen Militärrats bekannt. Das Gremium hat eigenen Angaben nach den Sturz der Regierung und den Schutz der Zivilbevölkerung zum Ziel. Der Militärrat sei fortan die "höchste militärische Instanz Syriens" und werde die Umsetzung der Ziele der Freien Armee überwachen, sagte ein Vertreter der bewaffneten Oppositionsgruppe. Zu den Zielen gehörten unter anderem der "Sturz des derzeitigen Regimes" sowie die Verhinderung anschließender anarchistischer Verhältnisse und Racheakte. Dem Militärrat wird der desertierte Oberst Riad el Assad vorsitzen.

Dem Gremium dürfen keine Mitglieder einer Partei angehören. Er soll der Freien Armee zufolge die Militäreinsätze der Streitkräfte überwachen und für Sicherheit im Land sorgen. Zudem sollten ein Militärgericht sowie eine Militärpolizei entstehen, um Regierungsmitglieder zur Verantwortung zu ziehen.