In der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist es einen Tag nach Massenprotesten gegen den Militärrat zu heftigen Ausschreitungen am Tahrir-Platz gekommen.

Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas gegen Demonstranten ein, die versucht hatten, den zentralen Platz zu besetzen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind dabei mindestens 27 Menschen verletzt worden. Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete hingegen von mindestens 81 Verletzten.

Zur Gewalt soll es gekommen sein, als die Polizisten einen Sitzstreik auflösten, an dem sich Verletzte und Angehörige von Todesopfern der Aufstände vom Beginn des Jahres beteiligt hatten. Die Aktivisten wollten nach Angaben von Augenzeugen immer wieder auf den Platz zurückkehren und bewarfen Polizisten mit Steinen.

Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete, dass wütende Demonstranten einen Polizeiwagen anzündeten. Fünf Personen wurden dem Bericht zufolge festgenommen.

Während der Großkundgebung am Freitag hatten einige Dutzend Menschen Zelte auf dem zentralen Platz aufgebaut. Sie protestieren gegen die geplanten Verfassungsleitlinien der Übergangsregierung. Diese sollen unter anderem die Macht des Militärs absichern. Insgesamt waren Hunderttausende Menschen den Aufrufen der Muslimbruderschaft und der radikalen Salafistenbewegung gefolgt. Auch Angehörige linker und liberaler Gruppen schlossen sich dem Protest an. Sie forderten den Militärrat auf, bis spätestens im kommenden Mai die Macht an Zivilisten zu übergeben.

In Ägypten wird vom 28. November an in drei Phasen ein neues Parlament gewählt. Anschließend soll das Land eine neue Verfassung bekommen. Die Islamisten, die sich bei der Wahl gute Chancen ausrechnen, wollen bei diesem Prozess keine Beschränkungen akzeptieren. Der Militärrat hat nach dem Sturz von Husni Mubarak im Februar die Macht übernommen.