In Tunesien haben sich die Koalitionsparteien auf die Besetzung der drei wichtigsten Regierungsposten geeinigt. Der Generalsekretär der islamistischen Ennahda, Hamadi Jbeli, soll Regierungschef werden. Das Präsidentenamt soll der Chef der Partei Weltliche Versammlung für die Republik (CPR), Moncef Marzouki, übernehmen. Der Vorsitzende des dritten Koalitionspartners Ettakatol, Mustafa Ben Jaafar, soll Parlamentssprecher werden.

Die 217 Mitglieder umfassende verfassungsgebende Versammlung tritt heute erstmals zusammen. Eine ihrer ersten Aufgaben wird es sein, die Personalentscheidungen bestätigen. Das für ein Jahr gewählte Parlament soll eine Verfassung für das nordafrikanische Land erarbeiten. Innerhalb eines Jahres soll es Neuwahlen geben. In Tunesien hatte die Bevölkerung im Januar den autokratisch herrschenden Präsidenten Zine al-Abidine Ben Ali gestürzt und damit eine Protestwelle in weiteren Ländern Nordafrikas und dem Nahen Osten in Gang gesetzt.

Die Ennahda-Bewegung hatte mit ihrem Spitzenkandidaten Rachid Ghannouchi die Wahlen am 23. Oktober mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Sie besetzt in der verfassungsgebenden Versammlung 89 von 217 Sitzen und ist damit dreimal so stark wie die zweitstärkste politische Kraft CPR. Liberale Tunesier hatten wegen des Wahlsiegs der Islamisten einen für sie dramatischen Wandel des Landes befürchtet – bis hin zu Kopftuchzwang und Alkoholverbot. Konkrete Hinweise auf drohende Einschnitte der Bürger- und Freiheitsrechte gibt es bisher jedoch nicht.

Die Ennahda (Wiedergeburt) präsentiert sich derzeit als moderne Partei nach dem Vorbild der türkischen Regierungspartei AKP. Unter dem gestürzten Herrscher Ben Ali galt sie als extremistisch und war verboten.

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