Für den Präsidenten der USA ist der Pazifikraum diese Woche nicht nur politisch von hoher symbolischer Bedeutung – es ist zugleich eine Rückkehr in seine Kindheit. In Honolulu auf Hawaii, wo Barack Obama geboren wurde, ging es kürzlich auf dem Treffen der Apec-Staaten um das Vorhaben, einen Wirtschaftsraum zu errichten, der größer als die EU ist. Auch in Indonesien, gerade Gastgeber des südostasiatischen Staatenbunds Asean, hat Obama einen Teil seines Lebens verbracht. Der US-Präsident darf die Pazifikregion also zweifellos seine zweite Heimat nennen. 2009 verkündete er, "der erste pazifische Präsident" der USA sein zu wollen. Gerne spricht er vom "Pazifischen Jahrhundert".

Was das in der Praxis heißen kann, wird nun erfahrbar. So nutzte Obama jetzt den 60. Jahrestag des Anzus-Militärbündnisses mit Australien und Neuseeland, um eine noch engere Kooperation mit der Regionalmacht Australien zu verkünden. Die 2.500 Elitesoldaten, die in den nächsten fünf Jahren im nordaustralischen Darwin stationiert werden, haben dabei zunächst nur einen symbolischen Wert. Von herausragender Bedeutung ist hingegen der zentral gelegene Übungsplatz in Darwin für US-Marines und die Air Force.

Man habe keine Angst vor den Chinesen, betonte Obama in einer Rede vor dem australischen Parlament in Canberra. Doch genau darum geht es im Kern: um die Eindämmung der zuletzt für viele Pazifik-Anrainer bedrohlich gewordene Militärpräsenz Chinas . Nach und nach will Obama Tausende Soldaten, die zuletzt in den Kriegen in Irak und Afghanistan gekämpft haben, in gemeinsam mit den Regionalmächten betriebenen Militärbasen stationieren.

Australien rüstet auf

In den ersten drei Jahren seiner Präsidentschaft habe sich Obama aus zwei geerbten Kriegen der Bush-Administration befreien müssen, erklärt Professor Geoffrey Garrett, Leiter des US Studies Centre der Universität Sydney. Nun aber fokussiere sich Obama darauf, was ihm auch persönlich wichtig erscheine: "die Entwicklung einer neuen Architektur im asiatisch-pazifischen Raum". Dass er seine Pläne im australischen Parlament verkündete, sei nur konsequent: "Durch seine geopolitische Lage ist Australien nicht nur eine Macht im pazifischen Raum, sondern auch auf dem Indischen Ozean", sagt Garrett und fügt hinzu: "Die Vertrautheit mit den USA könnte größer überhaupt nicht sein."

Zwar ist China mit massiven Rohstoffimporten inzwischen zum wichtigsten Handelspartner des Inselkontinents aufgestiegen. Doch australische Militärexperten äußerten in einem Strategiepapier schon vor zwei Jahren Bedenken, die chinesische Aufrüstung könnte die Schutzfunktion der USA im Pazifik langfristig aushöhlen. Bis 2007, unter dem liberal-konservativen Premierminister John Howard, hatte Australien sich gegenüber China militärisch weitgehend neutral verhalten. Doch 2009 leitete der Sozialdemokrat Kevin Rudd mit dem umgerechnet 68 Milliarden Euro teuren Rüstungsprogramm Force 2030 einen Paradigmenwechsel ein. Auf Canberras Einkaufsliste stehen seither zwölf U-Boote – was einer Verdopplung der australischen Flotte entspricht –, drei raketenbestückte Kriegsschiffe, acht Fregatten, 70 Kampfhubschrauber sowie rund 100 Militärflugzeuge.

Die Chinesen wiederum hatten ihre Militärausgaben zuletzt um bis zu 15 Prozent jährlich erhöht. Die meisten südostasiatischen Länder fühlten sich davon bedroht , sagt der geopolitische Analyst Geoffrey Garrett: "Es waren asiatische Länder, ja sogar Vietnam, die die USA um ein verstärktes militärisches Engagement gebeten haben." Zuletzt häuften sich Konfrontationen der Chinesen mit Japan und Südkorea. Insbesondere im Südchinesischen Meer beansprucht China mit Vehemenz die alleinige Herrschaft.