Seine Freunde bezeichnen Gianluca C. als "einsamen Typ". Der Mann, der am Dienstagmittag in Florenz offenbar zwei Männer aus Senegal erschoss und drei weitere schwer verletzte, war Buchhalter. In seiner Freizeit schrieb er Fantasy-Romane, eine Vorliebe soll er für die nordischen Sagen gehabt haben.

Heute früh ging C. zum Straßenmarkt in Piazza Dalmazia. Dort zog er eine 357er Magnum und schoss auf eine Gruppe senegalesischer Straßenverkäufer. Zwei starben sofort, ein Dritter ringt immer noch mit dem Tod. Ein Kioskbesitzer versuchte vergeblich, den Täter festzunehmen.

Zwei Stunden lang suchte die Polizei erfolglos nach C. Dann erschien er auf einem populären Straßenmarkt am San-Lorenzo-Platz. Hier richtete er die Waffe erneut gegen einige Straßenverkäufer. Zwei wurden schwer verletzt. Als er danach Zuflucht in seinem Auto suchte, wurde er von einer Polizeistreife erkannt. Ein Polizist schoss einmal gegen das Auto, worauf sich C. mit einem Schuss in die Kehle umgebracht haben soll.

Die Nachricht von den Morden löste Wut aus unter den Senegalesen. Noch bevor der Mörder gefasst wurde, versammelten sich ungefähr 250 Straßenverkäufer am Tatort und marschierten dann gen Hauptbahnhof. "Schämt euch!" und "Wir sterben alle heute!" waren einige der Slogans, die von den Migranten angestimmt wurden. Später schlossen sich Einheimische an und verdoppelten die Menge.

Die Senegalesen waren unter den ersten Afrikanern, die sich aus den subsaharischen Gebieten nach Italien aufmachten. Ihre Gemeinschaft ist nicht besonders groß, rund siebzigtausend Senegalesen lebten 2008 in Italien. Da sie zum Großteil als Straßenverkäufer arbeiten, sind sie allerdings auffälliger als andere Migranten.

C. war ein Mitglied der rechtsextremen italienischen Organisation Casa Pound. Die Rechtsautonomen verurteilten den Amoklauf umgehend. Auf ihrer Webseite bezeichneten sie ihn als "eine Tragödie des Irrsinns". Seit Jahren versucht die Organisation sich als "revolutionär, jedoch friedlich" zu präsentieren – keineswegs rassistisch. Ihre Hauptbeschäftigung seien Wohnprojekte für Familien in besetzten Häusern . Alle Familien? "Nein, natürlich nur italienische Familien", sagt der Vorsitzende Gianluca Iannone.

Der Präsident der Region, Toscana Enrico Rossi, nannte die Tat "brutal und erschreckend". Es gebe "besorgniserregende Ähnlichkeiten mit dem Amoklauf in Oslo", sagte Rossi. "Das ist ein Zeichen dafür, dass die Behörden bisher die Kultur des Hasses und der Fremdfeindlichkeit in Italien heftig unterschätzt haben."