Unmittelbar vor der Abstimmung des französischen Parlaments über einen Gesetzentwurf, der das Leugnen des Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellt, hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan Frankreich mit Sanktionen gedroht. Die Konsequenzen sollten "schrittweise" erfolgen, sagte Erdoğan nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Erste Schritte werde er voraussichtlich schon nach der Abstimmung bekanntgeben. Erdoğan warnte zudem vor einem grundsätzlichen Schaden für die türkisch-französischen Beziehungen.

Die Nationalversammlung in Paris will über einen Gesetzentwurf abstimmen, der die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs unter Strafe stellt. Die Türkei sieht in dem geplanten Gesetz eine wahltaktisch motivierte Geste des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy an armenisch-stämmige Wähler in Frankreich. Die Vorlage wird allerdings auch von Konservativen und Linken in Frankreich unterstützt. Frankreich hatte bereits 2001 die Verbrechen an den Armeniern zum Genozid erklärt.

Die türkische Regierung hatte mehrfach mit einer massiven Verschlechterung der Beziehungen gedroht, sollte das französische Parlament das Gesetz annehmen. "Wir betrachten diese Gesetzesinitiative als einen Angriff auf die Geschichte der Türkei", sagte etwa Außenminister Ahmet Davutoğlu der Zeitung Le Monde.

Nach unterschiedlichen Schätzungen kamen 1915/16 zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Armenier im Osmanischen Reich ums Leben. Der Vorwurf des Genozids wird von der Türkei, die Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs ist, bestritten. Die Armenier hätten damals an der Seite des Kriegsgegners Russland gestanden. Heute leben noch rund 60.000 Armenier in der Türkei.