Und so war der Vorwahl-Kalender auch dieses Mal zwischen den Staaten heftig umkämpft. Nach den Parteistatuten der Republikaner sollten die Vorwahlen eigentlich erst im Februar beginnen, doch Florida drängelte sich vor und legte seinen Urnengang auf den 31. Januar. Aber Iowa verteidigt seinen Vorreiter-Status zäh, denn er garantiert politische Aufmerksamkeit und Einfluss: für einen kleinen Bundesstaat, der in erheblichem Maß von Agrarsubventionen aus Washington lebt, eine Existenzfrage. Außerdem sind die Wahlkampfmaschinerie und die zahllosen Journalisten, die sie anzieht, zu einem Wirtschaftsfaktor im Land geworden. Iowa hat deshalb seinen Status per Gesetz festgeschrieben: Der Caucus muss mindestens eine Woche vor den Vorwahlen aller anderen Staaten stattfinden.

Wie wichtig aber ist Iowa tatsächlich für die Kandidatenkür? Kritiker monieren, die Ergebnisse des Caucus seien völlig wertlos, denn die Abstimmung sei nicht bindend und habe mit der Wahl der Delegierten nichts zu tun. Andererseits ist das politische Stimmungsbild, das die republikanische Basis an diesem Tag aussendet, wichtiger als die genaue Verteilung der wenigen Vertreter, die Iowa zum nationalen Parteitag schickt.

Ron Paul könnte in Iowa gewinnen

Kurz vor dem Caucus machen dem republikanischen Establishment Iowas allerdings die guten Umfragewerte für Ron Paul große Sorgen. Der libertäre Kongressabgeordnete aus Texas hat mit seinen kruden Ansichten keinerlei Chance, am Ende wirklich der republikanische Kandidat zu werden, aber dank einer enthusiastischen Anhängerschaft und einer schlagkräftigen Basisorganisation könnte Paul in Iowa gewinnen. Schon vor vier Jahren lag beim Caucus ein letztlich chancenloser Außenseiter vorn. Sollte sich dies wiederholen und Iowa in den Ruf geraten, Freaks zu wählen, statt Favoriten zu machen, könnte der Caucus an politischem Gewicht verlieren.

Wer aber am Ende wirklich gegen Barack Obama antritt, wird sowieso nicht in Iowa entschieden, sondern in Tampa in Florida. Dort findet Ende August der republikanische Parteitag statt, bei dem der Herausforderer des Präsidenten ganz offiziell nominiert wird. Zu diesem Zeitpunkt wird sich der Wahlkampftrubel in Iowa längst wieder gelegt haben. Nicht Umfragezahlen, sondern Mais- und Milchpreise sind dann wieder die wichtigsten Daten im Land, und die Menschen in Iowa haben die Gewissheit, dass trotz aller Sparpolitik die Agrarsubventionen auch die nächsten vier Jahre gesichert sind.