Unmittelbar nach dem Abzug der US-Armee brechen die Konflikte innerhalb der irakischen Regierung offen auf. Ministerpräsident Nuri al-Maliki drohte, sein Amt aufzugeben. Er will die Entlassung seines Stellvertreters Salih al-Mutlak durchsetzen. Der hatte ihn mit dem 2003 vom US-Militär gestürzten Präsidenten Saddam Hussein verglichen.

Ein Parteigenosse al-Malikis sagte in einem Interview, der Regierungschef habe ihm gesagt, wenn das Parlament dem stellvertretenden Ministerpräsidenten nicht das Vertrauen entziehen sollte, werde er binnen zwei Tagen sein Amt niederlegen. Al-Mutlak gehört zur säkularen Allianz Al-Irakija, die von Sunniten unterstützt wird. Er hatte vor einigen Tagen gesagt, al-Maliki sei ein schlimmerer Diktator als Saddam Hussein, denn der habe im Gegensatz zu al-Maliki wenigstens die Infrastruktur des Iraks verbessert.

Am Montagabend war zudem ein Haftbefehl gegen Vizepräsident Tarik al-Haschemi erlassen worden, der ebenso zum Parteienbündnis Irakija gehört wie al-Mutlak; er ist aber offenbar noch nicht festgenommen worden. Al-Haschemi werde vorgeworfen, er sei an einem versuchten Anschlag auf al-Maliki Ende November beteiligt gewesen, berichtete das Staatsfernsehen. Kurz nach der Bekanntgabe des Haftbefehls erklärte das Irakija-Bündnis, die Sitzungen der Regierung al-Malikis zu boykottieren. Al-Maliki ist Schiit.

Der staatliche Sender Al-Irakija sendete zudem "Geständnisse" ehemaliger Leibwächter Al-Haschemis. Sie sagten darin, er habe sie zu Terroranschlägen angestiftet. Ob die Ex-Leibwächter logen, die Wahrheit sagten oder durch Folter zur Falschaussage gezwungen wurden, war nicht zu erkennen.

Die USA äußerten sich besorgt über die politische Krise. Gegenüber allen beteiligten irakischen Parteien habe man "Beunruhigung über diese Entwicklungen" ausgedrückt, sagte ein Präsidentensprecher. Die USA "ermahnen alle Parteien, daran zu arbeiten, ihre Divergenzen friedlich und den Rechtsstaat sowie den demokratischen Prozess achtend zu klären".

Die USA waren in den vergangenen Jahren stets als Vermittler zwischen den Parteien der Kurden, Schiiten und Sunniten aufgetreten. Sie hatten am vergangenen Wochenende ihren fast neunjährigen Militäreinsatz im Irak beendet.