Iran hat angekündigt, zum Ende eines zehntägigen Manövers im Persischen Golf eine vom ihm so bezeichnete Langstreckenrakete zu testen. Damit setzt die Islamische Republik die Kette der gegenseitigen Provokationen zwischen USA und Iran im Persischen Golf fort. Die Flugkörper erreichen zwar nicht die für Langstreckenraketen international gängige Reichweite von 2.000 Kilometern, wohl aber US-Stützpunkte in der Golf-Region und Afghanistan.

Der stellvertretende Befehlshaber der Marine, Admiral Mahmud Mussavi, kündigte der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars zufolge an, der Test werde am Samstagmorgen stattfinden. Das bis zum 2. Januar laufende Manöver trete damit nun in seine wichtigste Phase. Ziel sei es, die iranische Marine auf eine kriegsähnliche Situation vorzubereiten.

Iran hatte in den letzten Tagen gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren. Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi sagte, es werde "kein Tropfen Öl mehr" durch die Meerenge gelassen, falls der Westen die wegen des Atomstreits verhängten Sanktionen ausweite. Die USA hatten darauf mit Härte reagiert: Eine Sperrung des internationalen Seeweges würde nicht toleriert werden. Der Vizechef der iranischen Revolutionsgarden, General Hossein Salami, hatte darauf entgegnet, die USA seien nicht in der Position, dem Land Vorschriften zu machen.

Ahmadineschad schweigt

Durch das Nadelöhr befördern Tanker nach unterschiedlichen Quellen bis zu 40 Prozent des weltweit auf Schiffen transportierten Öls – unter anderem nach Westeuropa und in die USA. Am Ölmarkt wird die Entwicklung deshalb aufmerksam beobachtet. Eine unmittelbare Gefahr sehen die Ölexperten aber nicht; die Ölpreise sind bisher nur mäßig gestiegen.

Präsident Mahmud Ahmadineschad schweigt bisher. Auch das iranische Verteidigungs- und das Außenministerium hielten sich zurück. Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast hatte in der vergangenen Woche noch die Absicht einer Blockade der Straße von Hormus sogar bestritten.

Die USA, Frankreich und Großbritannien unterhalten am Persischen Golf Militärstützpunkte. Die mit den USA verbündeten arabischen Golfstaaten rüsten derweil auf. Saudi-Arabien vereinbarte mit den USA die Lieferung von 84 Kampfflugzeugen des Typs F-15 und die Modernisierung von 70 weiteren Kampfjets.